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Ägypten vor Nofretete und Echnaton I
Jeden Morgen, wenn über dem dürren Gestein am Ostufer des Nils die Sonne in den Himmel stieg, feierte der Ägypter den Sieg des Lichts über die Finsternis, die Macht des Lebens über den Tod, die Gewalt des Saatkorns über das Erdreich: Es war die Geburt des Sonnengottes Re und die Auferstehung des Totengottes Osiris. Seit früher historischer Zeit, als Cheops, Dedefre, Chefren und Mykerinos bei Gizeh und Abu Roach sich für die Ewigkeit pyramidenförmige Denkmäler setzten, betrachteten sich die Könige des Sieben-Millionen-Volkes in den fruchtbaren Ebenen des Nils als Söhne dieses Sonnengottes, des sichtbaren Lenkers des Lebens, und sie setzten ihm im Osten ihrer Residenzstadt Memphis auf einer Hügelkuppe einen Obelisk als Sitz der Morgensonne. Damals, drei Jahrtausende vor der Zeitwende, nannten die Ägypter ihre Gottkönige noch nicht Pharaonen, und auch von Dynastien war noch nicht die Rede. Es dauerte nur ein paar Jahrhunderte, und die Macht der gewaltigen Pyramidenbauer begann zu bröckeln, bis im 23. Jahrhundert das unter ungeheueren Mühen errichtete Staatsgebäude einstürzte. Das Alte Reich, kaum vierhundert Jahre alt, war Geschichte. Zweihundert Jahre später gelang es Mentuhotep I. aus Theben, wieder zusammenzufügen, was Religion und Politik, geographische Lage und Vegetation zum Bersten gebracht hatten. Ein neues Staatsgebilde, in Ansätzen sozialistisch, doch ohne entsprechende Ideologie, etablierte sich: das Mittlere Reich. Sein Atem sollte indes nicht länger reichen als der des Alten Reiches. War dieses letztlich an seiner Religion erstickt, so rang jenes nach Luft ob des überorganisierten Beamtenapparates.
¦4 Familienbild Amenophis' III. und Tejes mit drei Töditern. Die sieben Meter hohe Figurengruppe aus Kalkstein stammt aus der Tem{>el-anlage Medinet Habu.