Bővebb ismertető
Raum-SpurenNorbert KrickeOhne Titel, 1954Folge von 16 ZeichnungenLinie, Kurve, Bahn: Spuren auf Papier, die in den Raum greifen. Raum spürbar gemacht. Das Auge geht an der Linie, an der Kurve entlang, über das Papier, über den endlichen Raum hinaus. Bewegung entsteht, bewußt werdende Zeit der Erfahrung von Raum, Überschneidung, Kreuzung, Linienbündel konzentrieren den Blick, halten ihn fest an einem Punkt, aber nur kurz.Ein Wesenszug gegenstandsloser Kunst ist ihre prinzipiell mögliche, zumindest gedanklich vollziehbare Unbegrenzt-heit der Formen. Der Gegenstand definiert sich an seiner Grenze, das Sein entsteht an der Grenze zum Nicht-Sein, Nicht-mehr-Sein, Anders-Sein. Wir erkennen den Gegenstand nur durch seine Begrenztheit, seine Form: da wo er aufhört und wo das Andere, der Raum anfängt. Linien, monochrome Flächen, systematische oder informelle Strukturen besitzen oftmals Ausschnittcharakter. Ausschnitt eines nicht darstellbaren, da unendlich gedachten Ganzen. Ein unendlicher, unbegrenzter Gegenstand ist paradox. Die unendliche Linie ist denkbar.Krickes Zeichnungen wollen Bewegung erfahrbar, sichtbar machen. Bewegung ist die Veränderung des Ortes in Raum und Zeit. Raum und Zeit, bei Kant die apriorischen, d.h. vor aller Erfahrung liegenden, Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung überhaupt. Raum-Zeit, das Ende der euklidischen Geometrie, die Einsteinsche Relativitätstheorie läßt die vier Dimensionen unserer Erfahrung in einem Raumzeit-Kontinuum verschmelzen.Diese Raumzeit ist das Thema der Plastiken und Zeichnungen von Norbert Kricke. Minimierung des Gegenstands auf Draht und Linie, mit dem Ziel, Raum erfahrbar zu machen. In einer Konsequenz wie der von Kricke als Vorbild genannte Alberto Giacometti, in dessen Figuren Masse und Volumen reduziert sind auf das Wesentliche, die Vertikalität des Menschen, der aufrechte Gang angesichts einer bedrohlichen Unendlichkeit des Raums.