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Nord- und Mittelamerika [antikvár]

Erhard Rosenkranz

 
Anfang Márz 1964 veröffentlichte ein gewisser G. Etzel Pearcy, dem Leser als Geograph des State Departement vorgestellt, im offiziellen Bulletin des USA-AuBenministeriums einen ob seiner Offenheit bemerkenswerten Beitrag unter der Überschrift „Geopolitik und auswártige Beziehungen". AufschluBreich war die Tatsache, daB Washington den an „tausendjáhriges Gedankengut" Hitlerscher Prágung erinnernden Darlegungen des prominenten Geopolitikers der Vereinigten Staaten sogar die Rolle eines Leitartikels zugewiesen hatte. Mit dieser...
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Anfang Márz 1964 veröffentlichte ein gewisser G. Etzel Pearcy, dem Leser als Geograph des State Departement vorgestellt, im offiziellen Bulletin des USA-AuBenministeriums einen ob seiner Offenheit bemerkenswerten Beitrag unter der Überschrift „Geopolitik und auswártige Beziehungen". AufschluBreich war die Tatsache, daB Washington den an „tausendjáhriges Gedankengut" Hitlerscher Prágung erinnernden Darlegungen des prominenten Geopolitikers der Vereinigten Staaten sogar die Rolle eines Leitartikels zugewiesen hatte. Mit dieser Veröffentlichung erhoben die USA in unmaskierter Form Anspruch auf ganz Nord- und Zentralamerika. Die kontinentale Politik seines Landes beruhe auf „einer erweiterten Version der .Heimatbasis', die neben dem eigenen Territórium auch eine periphere .Pufferzone' und gewisse Vorposten" umfasse, schrieb Mr. Pearcy. Hierzu gehöre vor allém der karibische Raum, zu dem neben den Inseln besonders Mexikó und fünf zentralamerikanische Republiken zu záhlen seien. . . Das bittere Los und die mit Blut geschriebene Geschichte der Völker dieser Lánder, die unter tropenblauem Himmel und inmitten einer überaus verschwenderischen Natúr dahinsiechen, habén tausendfache Beweise dafür geliefert, daB zwischen Washingtons Theorie und Praxis kein Unterschied besteht. Mittelamerika stellt für die USA-Monopole und deren Staat weit mehr als eine „EinfluBspháre" dar. Noch immer wird hier mit der Suppenkelle des Kapitals aus moderner Sklavenarbeit herausgepreBter Extraprofit abgeschöpft. Wo immer möglich, lassen die Yankees auf der politischen Marionettenbühne als „Staatsmánner" auffrisierte Pistolenhelden westlichen Zuschnitts an durchaus sichtbaren Fádén agieren: Anastasio Somoza in Nikaragua, Lopez Arellano in Honduras, Joaquin Balaguer in Santo Domingo, die Duvaliers und ihre gespensterhafte Kumpanei auf Haiti, vor allém aber Guatemalas Mörderprasident Carlos Arana Osorio wurden hier zu ,,MaBstáben" nordamerikanischer Henkersuche. Das Schicksal des gepeinigten guatemaltekischen Volkes steht für den Golgathaweg aller Zentralamerikaner. lm Sommer 1954 schrieben die USA auf dem Boden dieses kleinen Agrarstaates eines der letzten Kapitel ihrer berüchtigten Kanonenboot-Politik, indem sie der nationalrevolutionaren Regierung unter Prasident Jacobo Arbenz durch ihre Söldnerheere das Kreuz brachen. Oberst Arbenz war nicht ohne Grund in das Visier der auslándischen Plünderer und Rauber geraten: seine das bis dahin maBlos ausgebeutete Landproletariat begünstigenden MaBnahmen, besonders die Verstaatlichung von 160000 Hektár besten Bananenbodens, das der polypenartige USASuperkonzern United Fruit in nimmergesáttigter Gier an sich gerissen hatte, lieBen den fortschrittlichen Militdr auf die AbschuBliste der imperialistischen Verschwörer geraten. Unter maBgeblicher Mitwirkung der Brüder Allén und John Foster Dulles - der eine war Prasident, der andere Rechtsberater der United Fruit gewesen, bevor beide als CIA-Chef und AuBenminister unter Eisenhower/Nixon die Stufenleiter der Macht emporzusteigen vermocht hatten - wurde zunachst ein wildes Kesseltreiben gegen Arbenz organisiert. Nachdem die von den USA dirigierte Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) eine „kommunistische Verschwörung" in Guatemala entdeckt und - wie spáter im Falle Kubas - „zur Verhinderung des Eindringens fremder Ideologien in die westliche Hemisphare" aufgerufen hatte, begann bald der bewaffnete Angriff. Angeführt von der USA-Kreatur Castillo Armas - einem Absolventen der Pentagon-Heeresschule Ft. Leavenworth (Kansas)- stieBen Söldnerheere von Honduras auf guatemaltekisches Gebiet vor, wáhrend Washingtons Fünfte Kolonne im Innern des überfallenen Landes die Konterrevolution mobilisierte. Am Ende des fürchterlichen Gemetzels war Guatemala „befriedet". Alle demokratischen Umwandlungen wurden rückgángig gemacht. Die United Fruit - inzwischen Teil des gewaltigen Konglomerats AMK - kehrte auf ihre Plantagen zurück, um den gelben Reichtum des Landes mit eigenen Eisenbahnen zur Verladung auf die eigene Bananenflotte abzutransportieren. Heute unterscheidet sich die Lage der guatemaltekischen Bevölkerung - sie besteht zu siebzig Prozent aus Abkömmlingen der Mayas, die lange vor Kolumbus in Zentralamerika eine hohe Zivilisation geschaffen hatten - in keiner Weise von dem Elendsdasein der Hondurener, Nikaraguaner, Haitianer, Dominikaner und anderer durch Washington geknechteter Nationen des karibischen Raumes. Die Lebenserwartung der Indios liegt bei achtunddreiBig Jahren! Bittere Landarmut - nur zwei Prozent der Grundbesitzer Guatemalas besitzen sechzig Prozent des Bodens, wáhrend die restlichen vierzig Prozent überwiegend im Schlund des „Grünen Ungeheuers" verschwunden sind - wird von hoffnungsloser Arbeitslosigkeit begleitet. Da auBerhalb von Guatemala-City nur ein Arzt auf dreihunderttausend Einwohner entfállt, erfáhrt die überwiegende Masse der Bevölkerung nicht einmal elementarste medizinische Hilfe. So gehen jáhrlich mehr als siebzigtausend Guatemalteken an Seuchen und Hunger zugrunde - davon dreiBigtausend Kinder unter fünf Jahren, deren Sterblichkeitsrate vierzigmal höher liegt als in den Vereinigten Staaten. Und obwohl Guatemala mit seinen reichen Vorráten an Gold, Nickel, Silber und Kupfer sowie auf Grund einer üppigen Vegetation zu den wohlhabendsten Landern des ganzen Erdteils gerechnet werden könnte, liegt der Lebensstandard seiner Bevölkerung fast ebenso niedrig wie der auf Haiti, das im KontinentmaBstab den letzten Platz einnimmt. Übrigens: nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinne saugen nordamerikanische Vampire den Menschen südlich von Rio Grandé und Florida den Lebenssaft aus den Adern: Schon seit einigen Jahren gilt das durch Miami-Börsenmakler Gorenstein begründete Hemocaribean Center als eines der am besten florierenden Unternehmen des Gebiets. Seine Spezialitát: Herstellung von exportbestimmtem Blutplasma, dessen Rohstoff aus den Körpern armseliger Slumbewohner gepumpt wird, die sich als „freiwillige Spender" Tag für Tag vor pilzgleich aus dem Boden geschossenen „Laboratorien" in so mancher zentralamerikanischen Hauptstadt versammeln, um für ein Handgeld die letzten körperlichen Reserven herzugeben. Mittelamerika stellt für die Vereinigten Staaten jedoch nicht alléin eine zusammenhángende Zone zu ökonomischem Raub und politischer Tyrannisierung dar; in unseren Tagén hat es für das auch in seiner traditionellen Machtspháre immer entschlossener angegriffene

Termékadatok

Cím: Nord- und Mittelamerika [antikvár]
Szerző: Erhard Rosenkranz
Kiadó: VEB F. A. Brockhaus Verlag
Kötés: Félvászon
Méret: 240 mm x 300 mm
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