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Norwegen - Land zwischen Skagerrak und Nordkap
Bis zur Jahrtausend wende wird das Land der Gletscher und Fjorde, der Wikinger und Trolle einen Strukturwandel durchmachen, der in Europa beispiellos ist: Aus einer Nation der Bauern und Seefahrer, aus einem Land mit vielseitiger, aber nicht dominierender Industrie, entsteht ein Gemeinwesen, das in erster Linie vom Erdöl abhängig sein wird.
Noch immer versuchen die Norweger, den Kurs der Volkswirtschaft auf geringere Abhängigkeit vom Öl zu bringen. Vielleicht gehngt es ihnen zumindest teilweise, aber sicher ist das im Augenblick nicht. Zähflüssig ergießt sich das >Schwarze Gold< in ständig neue Adern der Infrastruktur.
Es ist eine tief bedauerliche Tatsache: Die Norweger haben zuviel Öl. Daher ihre Ölabhängigkeit. In Mitteleuropa, wo wir ölabhängig sind, weil wir zu wenig davon haben, ist es sicherlich schwer, die Sorgen der Norweger zu begreifen. Wir fragen uns: Kann man überhaupt zuviel Öl, überhaupt genug davon haben?
Doch, man kann. In dem Land, zu dessen größten literarischen Werken Hamsuns Markens gröde gehört, ein Roman über die unerschöpfliche Kraft des Mutterbodens, der 1918 - schon ein Jahr nach dem Erscheinen - auch in deutscher Ubersetzung als Segen der Erde vorlag, sprudelt jetzt der Reichtum aus dem Schelf der Nordsee. Er droht Norwegens gewachsene Wirtschafts- und Sozialstruktur durcheinanderzubringen. Aus Hamsuns Bauern Isak, der im Nordland rodet, ist der Zauberlehrling geworden, der den berstend vollen Leitungen auf den Bohrplattformen nicht mehr Einhalt gebieten kann.
Weil die Norweger Öl genug für mehr als hundert Jahre besitzen und weil ihr Staatswesen demokratisch ist, deswegen können sie sich nicht gegen eine Entwicklung wehren, die zur Entvölkerung der Fischerdörfer und Einödhöfe, der Schären und sogar der Kleinstädte führen wird. Die Menschen streben zu den Ballungsgebieten, und wenn es in den engen Tälern von Oslo, Bergen, Stavanger und Trondheim eines Tages keinen Wohnraum mehr gibt, dann werden die Hineindrängenden fordern, daß die niedrigen Holz- und Ziegelhäuser abgerissen werden und den Betonsilos mit acht, zehn, fünfzehn oder gar noch mehr Stockwerken Platz machen sollen.
So greift sie um sich, die zerstörende Kraft des Reichtums: Die Suche nach Öl, das Gewinnen und Verarbeiten erfordern Arbeitskräfte. In Norwegen leben nur vier
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