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Wort und Wert des Humanismus scheinen heute vielfach so verbraucht wie Wert und Würde des Menschen. Viel falsches Lob und viel falscher Tadel werden laut und leise vorgetragen, wenn an Humanismusprobleme gerührt wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in unseren Landen zu keiner Wiedergeburt des Humanismus. Im Gegenteil, in merkwürdiger Übereinstimmung mit den Schindern und Schändern des Menschlichen kurz zuvor begann sich ein Chor zu sammeln, der zunächst etwas verdeckt, dann immer offener zu spotten begann: Humanismus genügt nicht! Der Humanist ist den Greueln der Geschichte, dem Bösen, nicht gewachsen! Seine Humanität ist hochmütig, eitel und leer! Der Glaube allein rettet den Menschen!Diese Feinde des Humanismus, die sich in den Lagern aller christlichen Konfessionen befinden und die der stillschweigenden Zustimmung der Massen, die nichts am Humanismus interessiert, sicher sein können, übersehen dabei folgendes: die Humanisten Europas, oft Einzelne und Einsame, die sich über die Schützengräben und quer durch die Fronten der Kriege zuriefen und erkannten, die kleinen und kleinsten humanistisch geprägten Gruppen in der Großgesellschaft unserer Zeit, haben die beiden Weltkriege unseres Jahrhunderts nicht zu verhindern vermocht. Wo sie aber standen, nahmen sie den Menschen wahr: in Schmerz und Empörung, und sie trugen den Widerstand, das Denken und die Tat des europäischen Widerstandes.Die angreifende Frage der Verächter des Humanismus in den Lagern unserer christlichen Bekenntnisse ließe sich zurückwerfen: was haben die sechshundert bis siebenhundert Millionen Christen getan, um zwei Weltkriege und die mit ihnen zu-