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EinleitungIn Strindbergs literarischem Nachlaß nimmt das sogenannte Okkulte Tagebuch eine Sonderstellung ein. Es gibt kein vergleichbares Gegenstück. Daß dieses Dokument das aufrichtigste, intimste Selbstporträt, das er hinterlassen hat bisher nicht gedruckt wurde, hängt mit der schwankenden und widersprüchlichen Haltung zusammen, die er selbst gegenüber der Möglichkeit einer Veröffentlichung einnahm. Seine endgültige Meinung ist jedoch eindeutig: Kurz vor seinem Tode ordnete er an, daß sein Tagebuch den letzten Teil einer vollständigen Ausgabe seines autobiographischen Werkes, angefangen mit dem Sohn einer Magd, bilden sollte.Das Okkulte Tagebuch beginnt am 21. Februar 1896, als Strindbergs große Infernokrise sich dem Kulminationspunkt näherte. Kurz vorher hatte er in dem bekannten Hotel Ornia in Paris Wohnung genommen. Seit dieser Zeit . . ., schreibt er in Inferno, beobachte ich eine Serie von Offenbarungen, die ich mir nicht erklären kann, ohne meine Zuflucht zum Eingreifen unbekannter Mächte zu nehmen; seit diesem Augenblick mache ich Notizen, die sich allmählich anhäufen und ein Tagebuch bilden.Anfangs begnügte er sich damit, in knapper Form seltsame Zufälle aufzuzeichnen, merkwürdige Geschehnisse und Einzelheiten, in denen er selbst Wunder oder Zeichen, Botschaften von den Mächten, sah. Diese frühen Notizen bilden bald das Material zu einem ersten Entwurf für seine beiden Bekenntnisschriften >Inferno< und >Legenden<. Aber erst in der erweiterten, geordneten Form, die auch seine eigenen Deutungen dieser Beobachtungen bringt, werden seine Aufzeichnungen dem Außenstehenden verständlich und interessant. Immer mehr wachsen die Notizen des Tagebuches zu einem ausführlichen Bekenntnis an und werden durch Meditationen und Reflexionen über seine Erlebnisse ergänzt. Das Okkulte tritt dabei immer mehr in den Hintergrund, ohne doch ganz zu verschwinden. Vor allem seit Harriet Bosse 1900 in sein Leben tritt, nimmt die Arbeit diesen Charakter an und wird zu einem Tagebuch im üblichen Sinne. Harriet und das Verhältnis zu ihr stehen von nun an im Vordergrund. Nachdem sie ihn endgültig verlassen hat und eine neue Ehe eingegangen ist, bricht er dieses Diarium über sein Leben ab; die letzte datierte Aufzeichnung macht er am 11. Juli 1908. An diesem Tage verläßt Strindberg die Wohnung am Karlavägen, in der er und Harriet Bosse als Neuvermählte ihr Heim ein-5