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ERSTES KAPITEL
In einer Stadt, die ich aus mancherlei Grundén lieber nicht náher bezeichnen möchte, der ich aber auch keinen erdichteten Namen beilegen will, befindet sich, wie in den meisten Stád-ten, mögen sie grófi oder klein sein, von alters her ein Armen-haus. Hier wurde an einem Tage, dessen Dátum zu nennen ich mir nicht die Mühe machen will, weil es den Leser durchaus nicht interessieren kann, der Weltenbürger geboren, dessen Namen dieses Buch trágt.
Obgleich ich keineswegs die Behauptung aufrechterhalten will, dafi in der Tatsache, in einem Armenhaus geboren zu sein, schon das Höchstmafi von Glück liegt, so mufi ich doch sagen, dafi unter diesen besonderen Umstanden es für Olivér Twist das Beste war, was ihm hátte widerfahren können. Denn es war in der Tat nicht so ganz einfach, Olivér zu bewegen, dafi er sich selbst der Mühe des Atemholens unterzog, einem lásti-gen Gescháft, das die Notwendigkeit uns aber zur Gewohnheit gemacht hat, wenn wir leben wollen. Lange Zeit lag er nach Luft schnappend auf einer kleinen Wollmatratze und schwankte ziemlich ungleichmafiig zwischen dieser und der besseren Welt hin und her, wobei sich die Waage entschieden zugunsten der zweiten neigte. Wenn nun Olivér wáhrend dieser kurzen Zeit von besorgten Grofimüttern, ángstlichen Tanten, erfahrenen Wárterinnen und hochgelehrten Árzten umringt gewesen ware, so hátte er ganz unvermeidlich und unzweifelhaft im Augen-blick das Zeitliche gesegnet. Es war aber niemand bei ihm als eine arme, alte Frau, der es wegen des ungewohnten Genusses von Bier etwas neblig vor den Augen war, und der Kirchspiel-wundarzt, der sich vertraglich um dergleichen Dinge kümmern mufite. So fochten Olivér und die Natúr die Sache zwischen sich alléin aus. Die Folge war, dafi Olivér nach kurzem Kampfe atmete, nieste und dazu überging, den Insassen des Armen-hauses mitzuteilen, dafi dem Kirchspiel eine neue Last aufer-legt worden sei, indem er so fürchterlich zu schreien anfing, wie man es vernünftigerweise von einem neugeborenen Knaben erwarten durfte, der sich erst drei und eine Viertelminute im Besitz einer Stimme befand.