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Gedanken zu Andreas Vesalius" Wer sich mit der Lebensgeschichte Vesalius' náher bescháftigt, stöBt unumgánglich auf den Namen seines berühmten Vorgángers: Galenus. Erstaunt steht man vor der Tatsache, da(3 die offizielle menschliche Anatomie dreizehnhundert Jahre hindurch auf den Beobachtungen bei Tieren beruhte. Viele Generationen hindurch diskutierten sehr gelehrte Herren in schönen lateinischen Sátzen über Fragen, die durch einen einzigen Blick auf das Sektionspráparat beantwortet werden hátten können. Man fühlt die Neigung, die Gelehrten jener Zeit als redegewandte Wirrköpfe und eitle Nichtsnutze zu betrachten, die im fahlen Licht ihres kaum erleuchteten Verstandes in rhetorischen Kunstgebilden schwelgten. Es ist unvergleichlich schwieriger, die Ursachen dieser lácherlichen Zustánde aufzuzeigen als das Bestehen derselben. Es erhebt sich die Frage, ob Dummheit, Selbstüberheblichkeit und Pseudogelehrtheit die einzigen Fundamente waren, auf denen ein so irriges aber gleichzeitig so dauerhaftes Gebaude ruhte. Man kann sich kaum vorstellen, daB führende Persönlichkeiten, die Latéin genau so gut sprachen wie ihre Muttersprache, jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrten. Gelehrte wie Sylvius und Guynterius und sogar der junge Vesalius glaubten blindlings an die Unfehlbarkeit des groBen Galenus und vertrauten, sowie dies bis in den Beginn der Neuzeit üblich war, eher der Autoritát als der eigenen Beobachtung. Sicherlich hat es in den Jahrhunderten vor Vesalius zahlreiche Scharlatane gegeben, die nur aufgrund des máchtigen Klanges ihrer inhaltslosen Rhetorik als Árzte anerkannt worden waren. Zweifellos hatten sie einen Löwenanteil an der krankhaften Erstarrung des wissenschaftlichen Denkens. Der wichtigste Faktor in dieser Entwicklung scheint uns jedoch die absolute Anerkennung und die allgemeine Überschátzung der Autoritát des Galenus zu sein, die für Initiative und eigene Forschung keinen Spielraum lieB. Und gerade diese beiden Dinge sind für eine gesunde Evolution unerláBlich. lm übrigen ist es merkwürdig, daí3 wir diesen Gedanken gerade in einer Zeit aussprechen, in der die Untergrabung der Autoritát einer zielgerichteten Entwicklung háufig im Wege zu stehen scheint. I Adriáén van Ostade (1610-1684) DerQuacksalber",Rijksmuseum, Amsterdam 3Am Rande vermerkt 4Das Hormon F. Brummer: Long Acting Thyroid Stimulator (LATS) 8 D/e medikamentöse Behandlung des Aborts I 3 Dr. P. Dumas, Dr. J. Leclercq und Dr. J. C. Chignon: Die Vorbereitungen Frankreichs auf die Olympischen Spiele 17GiVe me 5 minutes more" 18Dr. R. C. M. Dalmeyer : Arzt im Land von Tausendundeiner Nacht 23 Andreas Vesalius 26 W. H. de Roos: Eine bartige Geschichte 28 Dr. ]. E. Vincent: Traum und Wirklichkeit Die Rcilaktion tr.'igt lur dk1 von Org.mon Mii arbeitern geschíltbenen Artikcl die Verám worrung. In den anderen Falién beschrinkt sich diese naturgemáfi lediglieh auf die Auswahl der Verfasser.