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Die Medizin und die Hilfswissenschaften In dieser Nummer: Unter den Biochemikern macht folgende Anekdote die Rundé: Wáhrend eines Kongresses über die jüngsten Entwicklungen in der Heilkunde wurde einer der Vortragenden bei der Diskussion ohnmáchtig. Der herbeigeeilte Saaldiener erbat durch das Mikrophon árztliche Hilfe für den Ohnmáchtigen. Er erhielt keine Antwort aus dem Auditórium. Daher wiederholte er seine Bitté, erhielt aber wieder keine Antwort. Nach der dritten Aufforderung erklang aus dem Saal eine bescheidene Stimme: „Der Vortragende ist der einzige Arzt hier im Saale." Diese Anekdote kennzeichnet die sich im Laufe der letzten Jahre entwickelnde Situation besser als eine ausführliche Betrachtung. Die Anzahl der Nichtmediziner (Chemiker, Physiker, Biochemiker usw.), die sich mit der medizinischwissenschaftlichen Forschung, angewandten Untersuchungsmethoden und anderen Techniken befassen, wáchst von Tag zu Tag. Dadurch gerát der Mediziner in eine zunehmende Abhángigkeit von Spezialisten in den sogenannten „Hilfswissenschaften". Die Entwicklung neuer Apparate z.B. liegt vollkommen auBerhalb der EinfluBspháre des Arztes. Es ist keineswegs unwahrscheinlich, dal? der Arzt in nicht allzu ferner Zukunft seinen Patienten als Regei eine Diagnose mitteilen wird, die andere gestellt habén; schon heute ist das ab und zu der Fali. Er wird dann für Dinge, die auBerhalb seiner Kontrollmöglichkeiten liegen, die klinische Verantwortung tragen müssen. Ohne schwarzsehen zu wollen, fühlen wir uns doch verpflichtet, auf eine sich in der Zukunft möglicherweise entwickelnde Diskrepanz zwischen Wissenschaft und Praxis hinzuweisen. Aus der Mitarbeit von Nichtmedizinern könnten sich dann Schwierigkeiten ergeben, wenn die sogenannten Hilfswissenschaften in bestimmten Gebieten der Heilkunde eine überherrschende Rolle spielen sollten. In vielen Lándern werden sich kaum Lösungen für dieses Problem finden lassen. Die medizinische Ausbildung ist stets auf die Praxis am Krankenbett ausgerichtet gewesen; es dürfte nicht ganz einfach sein, dies innerhalb absehbarer Zeit zu verándern. Es wáre an der Zeit, die Möglichkeit eines getrennten Ausbildungsganges für praktische Árzte und Forschungsarzte zu erwágen. Dadurch würde dem heutigen Zustand, daB die Beteiligung der Mediziner an den technischen Randgebieten der Medizin gröBtenteils oder ausschlieBlich von ihrem persönlichen Interesse und ihrem Mut zum Beschreiten neuer Wege bestimmt wird, abgeholfen. I Jan Steen (1626-1679) „Die kranke Dame" - Rijksmuseum, Amsterdam 3 Am Rande vermerkt 4 Das Hormon. H. J. van der Molen: Produktion und Metabolismus der Androgene 13 Dr. ]. Zeldenrust: Gerichtsmedizin I 7 l'm dreaming ofa white Christmas 19 Prof. Dr. Karel Frederik Wenckebach 23 Dr. M. C. Mackenzie - van der Noordaa: Die Verwandtschaft zwischen Echnaton, SmenkhaRe und Tutenchamon im Licht der Medizin 28 Dr. j. E. Vincent: My tyred friend Die Rcdflktion tragt tVir die von Orgflnon-M ilarbeitern geschriebencn Artikel die Veraruwortung. In den anderen Fallen beschrankr sich diese naturgemáli lediglieh auf die Auswah! der Verfasser.