Bővebb ismertető
Relativitáten Sitten und Gewohnheiten früherer Zeiten erheitern uns manchmal; mitunter aber finden wir sie anstössig. Bestimmte Verhaltensregeln, denen man einst Ewigkeitswert zugemessen hat, erscheinen uns heute als zeitgebundene Áusserungen einer überholten Gesellschaftsordnung, an deren Spitze kurzsichtige, komplexbehaftete Personen standén. Sitten und Gewohnheiten früherer Tage, vorbehaltslos und allgemein für richtig erachtet, können zu einem spáteren Zeitpunkt als unzulássig und schádlich für die Gemeinschaft qualifiziert werden. lm Bewusstsein der nur zeitund umstandsbedingten Gültigkeit eigener Normen verbirgt sich der Zweifel an ihrem inneren Wert. Wahrscheinlich kann man sich nur dann in seinem Denken und Handeln durch irgendwelche Richtlinien leiten lassen, wenn man davon überzeugt ist, dass diese Richtlinien auch für die náchsten Generationen verbindlich sein werden. Woher aber soll man heutzutage diese Uberzeugung nehmen? Gerade die Relativitát ist das Zeichen unserer Zeit. Wissenschaft und Technik führen uns das fast táglich vor Augen. Wenn es stimmt, dass die Entwicklungen im Kunstschaffen die Vorboten gleichartiger Veranderungen in der Gesellschaftsordnung sind, dann wird unser Leben in der Zukunft kaum noch irgendwelchen vagen Normen unterliegen. Vielleicht wird das Leben nur nach rein persönlichen Auffassungen ausgerichtet sein, die jeder gemeinschaftlichen Grundlage entbehren. Alles fliesst. Die Entwicklungen früherer Zeiten sind Geschichte für uns geworden. Die heutigen Evolutionen werden einst auch Geschichte sein. Wir befinden uns mitten drin. Denn die Aufgabe der neuen Generation schon wird es sein müssen, dem Erneuerungsdrang die Suche nach neuen gesellschaftspolitischen Grundsátzen gegenüberzustellen. Vielleicht wird irgendein Arzt nach vielen Jahren einmal in altén Zeitschriften bláttern. Stösst er dann auf diese kleine philosophische Skizze, dann wird sich sein Mund möglicherweise zum gleichen Lácheln verziehen, das auch unsere Lippen umspielte als wir den Artikel Physiologisches Porzellan" gelesen habén. Glücklicherweise bekommt der Kulturpessimismus nicht immer recht, weil jede Entwicklung letztlich in ihrem Spatstadium von Faktorén abhángt, die nicht vorauszusehen sind. In diesem Heft: I Jan Havickz. Steen (1626-1679) ,,D/e Kegelspieler" National Gallery, London 3Am Rande vermerkt 4Das Hormon J. M. Kramer: Kwashiorkor 10 Dr. A. P. C. H. Knegtel: Laennec 13 Prof. A. A. Abbie: Die Gesundheit der australischen Urbevölkerung 18Organokamera 19Eric Munk: Der Geburtsakt in der 8ildenden Kunst 24 Ein seltsames Paar 27 Dr. André Pecker: Physiologisches Porzellan Die Redaktion tragt für die von Organon-Mitarbeitern geschriebenen Artikel die Verantwortung. In den anderen Fállen beschránkt sich diese naturgemass lediglich auf die Auswahl der Verfasser.