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Am Rande vermerkt Prestige und Kompensation In diesem Heft: Das hervorstechendste Merkmal des Lebensablaufes des grossen französischen Arztes und Bakteriologen Charles Nicolle ist sein unermüdlicher wissenschaftlicher Eifer. Seine Verdienste um die Medizin wurden durch die Verleihung des Nobelpreises im Jahre I 928 honoriert. Seine überragende Intelligenz und seine schöpferische Phantasie waren eine Kombination, die Nicolle dazu prádestinierte, einen wesentlichen Beitrag zur wissenschaftlichen Evolution seiner Zeit zu liefern. Trotzdem hátte er sich vielleicht nicht zu jener Weltberühmtheit emporgearbeitet, wenn er nicht in jungen Jahren taub geworden wáre, so dass es ihm unmöglich wurde, den Beruf eines praktischen Arztes auszuüben. Wir sind heute leicht geneigt, die Spitzenleistungen Behinderter mit dem Modewort Überkompensation" zu beurteilen. Dabei begehen wir den Denkfehler, ein derartiges Gebrechen an sich als direkte Ursache der Verdienste zu werten. Abgesehen vom geringschátzigen Unterton einer solchen Bewertung, vergisst man dabei, dass es vollkommen ausgeschlossen ist, auf schwachen Fundamenten ein dauerhaftes Gebáude zu errichten. Auch wenn die Bereitschaft eines Behinderten, seine Unvollkommenheit durch erhöhte Anstrengungen wettzumachen, vorhanden ist, wird er doch bestimmte Anlagen mitbringen müssen, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Vielleicht wird der Behinderte sogar gerade durch die Tatsache, dass er in bestimmter Hinsicht einen Mangel aufweist, schárfer beobachtet, wodurch alléin schon das Gebrechen keineswegs karrierefördernd wirken kann. Es scheint, dass bei Charles Nicolle sowohl die Überwindung seiner Taubheit als auch seine wissenschaftlichen Leistungen der gleichen psychischen Einstellung zuzuschreiben sind. Mut, richtige Anwendung seiner Begabung und soziales Wohlverhalten Messen ihn zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Medizin werden. Und nicht seine Taubheit! Sie war ihm keine Hilfe, sondern bestimmte nur die Richtung seines weiteren Schaffens. Sein offener Brief an die Leidensgenossen mit schlechtem Hörvermögen, in dem er dafür eintritt, dass ein physischer Mangel in erster Linie durch eine positive Geisteshaltung überwunden werden müsse, ist vielleicht noch höher anzuschlagen als die Erringung des Nobelpreises. Ein solcher Mensch will seine Existenzberechtigung sicherlich nicht durch Überkompensation nachweisen! I Hendrick Avercamp (1585-1634) ,,Winterlandschaft" Rijksmuseum, Amsterdam 3Am Rande vermerkt 4Das Hormon Dr. D. van der Waaij: Das keimfreie Tier 13 Germaine Lot: Die biologische Entdeckungsreise des Charles Nicolle 17Organokamera 18Prof. Dr. L. 0. Schuman: Von Kreuzrittern, Árzten und Liebe 22 Prof. Dr. P. M. van Wulfften Pa I the: Koro 27 Staatsanwalt gegen Psychiater Die Redaktion trágt für die von Organon-Mitarbeitern geschriebenen Artikel dic Verantwortung. In den anderen Fállen beschránkt sich diese naturgemáss lediglich auf die Auswahl der Verfasser.