Bővebb ismertető
Wie beim Glücksspiel . . . lm Rahmen der redaktionellen Problematik rund um die Herausgabe einer Hauszeitschrift, in diesem Fali „Organorama", erhebt sich immer wieder die gleiche Frage: „Steht in diesem oder jenem Artikel auch wirklich das, was ich sagen will und wird der Artikel in dieser Form bei den Lesern gut ankommen?" Die Versuchung, sich nach den Spontanreaktionen von Lesern zu richten, ist zwar gross, bringt aber in der Praxis wenig ein, da ja alle Einsender aus einem ganz bestimmten Grund zur Feder greifen: Der Durchschnittsleser bleibt passiv, solange er sich durch den Inhalt nicht selbst - in positivem oder negativem Sinn - betroffen fühlt. Man kann nie voraussagen, ob ein Artikel von den Lesern gut aufgenommen werden wird oder nicht. Fest steht aber, dass die vom Verfasser aufgewendete Mühe und Zeit in keiner Beziehung zum Erfolg oder Misserfolg eines Artikels steht. Ein flüchtiger Einfall kann begeisterten Widerhall finden; ein Artikel, der viel Schweiss und Mühe gekostet hat, kann mit Glanz und Glorie durchfallen. Aber nicht nur Redakteuren bereitet es Schwierigkeiten, ihre Aussage publikumswirksam vorzubringen. lm Artikel „Bevölkerungsprobleme auf den Philippinen" berichtet der Verfasser darüber, dass er im Rahmen seiner Aufklárungsarbeit über Familienplanung Lehrgánge abhielt; hinterher musste er feststellen, dass ein einfacher Hinweis auf die Hühner mehr Erfolg hatte als alle seine sorgfáltig ausgearbeiteten Kursprogramme zusammen. Seine überzeugende Argumentation erwies sich einer weitverbreiteten Volksmeinung - die allerdings auf einem wahren Kern beruht - als unterlegen. Diese Feststellung war uns Trost und Stütze. Wir wollen diesem Verfasser einen gleichen Dienst erweisen: Vor einiger Zeit schrieb der Unterzeichnete - in Zeitnot geraten - mit gebotener Eile einen Artikel; anlásslich einer Buchbesprechung wurde dieser Artikel seiner wohlfundierten Dokumentation und seiner Übersichtlichkeit wegen lobend erwáhnt; dem Verfasser des Buches wurde dieser Artikel als leuchtendes Beispiel verantwortungsbewusster Geschichtsschreibung vor Augen gehalten. Die Tücke des Schicksals aber war, dass gerade dieses Buch dem Schreiber des so sehr gelobten Artikels als Vorlage gedient hatte Ein verárgerter Leser schrieb über einen sehr mühsam zustandegekommenen, arbeitsintensiven Essay, dass ihm selten eine blödsinnigere Schmiererei unter Augen gekommen sei; der Verfasser müsse wohl an manifester Schizophrenie leiden und sei ausserdem ein Kulturprolet. lm irdischen Leben ist eben alles relativ. Man kann den Erfolg oder Misserfolg nicht voraussagen. Wie beim Glücksspiel . . .