Bővebb ismertető
In der heutigen, Neon-erleuchteten Zeit ist es undenkbar, dass wir unsere Nachbarin wegen Hexerei verklagen, weil unser braver Hund vorige Woche plötzlich an einer unbekannten Krankheit eingegangen ist. Wir sind zu aufgeklárt, um eben diese Nachbarin náchtlicher Ausritte auf dem Besenstiel, des Umganges mit dem Teufel und des Tanzens auf einer Waldlichtung in der Walpurgisnacht zu verdáchtigen. Es kommt uns gar nicht in den Sinn, sie für eine Expertin der schwarzen Kunst zu haltén, auch wenn uns in letzter Zeit ihre Misslaunigkeit manchmal derart auf die Nerven ging, dass wir insgeheim wünschten, noch im Mittelalter zu leben. Vor kurzem noch brachte sie uns als Dank für eine kleine, in ihrer Wohnung verrichtete Arbeit eine Flasche Wein. „Die alte Hexe", sagten wir, „wird uns doch keinen Zaubertrank gegeben habén?" Selbstverstándlich war das ein Scherz, denn wir sind ja davon überzeugt, dass es keine Hexen gibt. Einesteils ist das natürlich bedauerlich, denn so wurden wir um das Vergnügen gebracht, jemals einen altén Hausdrachen am Scheiterhaufen rösten zu sehen. Glücklicherweise habén wir aber den Fernseher, der uns breitschultrige Helden ins Haus liefert, die mit letztem Einsatz federngeschmückte Indianer ausrotten; wir werden am laufenden Band zu Augenzeugen von Strassen- und Barrikadenkámpfen, wo aus rassischen oder politischen Gründen die eine Gruppé der anderen den Garaus zu machen versucht. Wir können für die Tatsache, dass uns diese Ereignisse ins Wohnzimmer geliefert werden, gar nicht dankbar genug sein; denn gerade dadurch sind wir in der Lage, vorbehaltslos zu erkláren, dass Toleranz die Grundeinstellung unserer modernen Gesellschaft ist. Wenn Sie den Artikel „Johann Weyer und die Hexen" lesen, ist es nicht uninteressant, die darin aufgezeigten zwischenmenschlichen Beziehungen mit unseren heutigen Gesellschaftsstrukturen kritisch zu vergleichen. Vielleicht können Sie dann erkennen, inwiefern sich unsere heutige Zivilisation von der des Mittelalters unterscheidet ....