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VORWORT
Das Schmücken entspricht einem Bedürfnis der gesamten menschlichen Gesellschaft. Deshalb sind der Schmuckkunst auch zahlreiche Bücher gewidmet worden: Stilkunden, Vorbildersammlungen, Omamenthand-bücher^ Formenlehren und Entwurfsanleitungen. Obwohl die meisten dieser Bücher :(um praktischen Gebrauch bestimmt waren^ haben sie sich für die Entwicklung der Erfindungsgabe y des ästhetischen Geschmacks und einer :(eitnahen Formensprache eher nachteilig als förderlich ausgewirkt^ weil sie großenteils z(u einer kritiklosen Nachahmung überlebter Stilarten anregten^ nicht aber j^« einer kritischen Wertung dieser Schmuckformen für das schöpferische Schaffen der Gegenwart. Auch das vorliegende Buch richtet sich in erster Linie an alle, die mit Entwurf und Anwendung von Ornament und Dekor z^u tun habeny will aber zugleich eine praktische Hilfe für den Omamentikunterricht sein. Es stellt dabei solche Fragen in den Vorderff'und, die :(ur Gewinnung eines eigenen Standpunktes wichtig, in der einschlägigen Literatur aber oft vernachlässigt worden sind. So werden unter anderem die Zusammenhänge v^wischen Sinn und Wesen der schmückenden Formen einerseits und die geistig wirkenden Kräfte, die gesellschaftlichen und ökonomischen Grundlagen einer Zeitepoche andererseits erläutert. Daraus erwachsen die Notwendigkeit, das kulturelle Erbe kritischer ^ betrachten und eim^uschät^en, und das Verständnis für die folgerichtige Weiterentwicklung wertvoller Traditionen der Kunst ^u zeitnahen Formen. Diese können nur von Menschen geschaffen werden, die den Inhalt der Zeit erkennen und sich mit den künstlerischen Bestrebungen
Außerdem werden in großen Zügen die besonderen Gesetzmäßigkeiten, Ordnungsprinzipien und Wirkungsformen der Ornamentik erörtert, um den Sinn für die Harmonie zwischen Zweckerfüllung und Schmuck eines Gebrauchsgegenstandes z» erwecken und dem Streben nach einer geschlossenen künstlerischen Ganzheit die Richtung anzudeuten. Weiterhin wird besprochen, ob und inwieweit das Ornament von Naturvorbildern abhängig ist, beziehungsweise ob und in welcher Art die Eigengesetzlichkeiten der Ornamentik eine
Umwertung solcher Motive bedingen. In diesem Zusammenhang wird auch kurz die Rolle des Naturstudiums für die Gestaltung omamentaler und dekorativer Formen untersucht. Um den Darlegungen den Charakter einer nur persönlichen Auffassung z^ nehmen und den aus Fachkreisen oft
geäußerten Wunsch berücksichtigend, auch die weniger bekannte oder nur schwer zugängliche Literatur des behandelten Gebiets kennenzulernen, erschien es mir richtig, auch aus älteren Veröffentlichungen Auszüge, deren Gedanken noch heute Gültigkeit besitzen, in den Text einzufügen. Für alle Interessenten, die sich über Spezialgebiete noch eingehender orientieren möchten, gibt die als Anhang beigefügte Literatur-Zusammenstellung entsprechende Hinweise. Leser, die vor allem an kunsttheoretischen Fragen interessiert sind, seien auf die Speziolliteratur verwiesen, die Dietmar Debes in dem inzwischen erschienenen Schriftenverzeichnis „Das Ornament''* (VEB E. A. Seemann, Leipzig 19z!*^ammengestellt hat.
Von den Abbildungen steht nur ein Teil unmittelbar mit dem Text in Verbindung. Die meisten Tafeln sollen zusammen mit den Bilderläuterungen für sich sprechen. Ich war bemüht, das Bildmaterial so anregend wie möglich zf^^ommenzustellen, und habe versucht, auch für einige im allgemeinen weniger beachtete Randgebiete typische Beispiele einzufügen. So finden sich neben Ordnungsformen der Natur und Oberflächenstrukturen allerlei Belege von ornamentalen Umformungen und Schematisierungen, femer Beispiele des Einflusses bestimmter Techniken {Geflechte, Stickerei, Wasserzeichen aus Draht), frühe Darstellungen von Menschen, Tieren und Pflanzen, die in Vergleich ZU Kinderzeichnungen gesetzt sind, femer alte und neue Zeichen und Schriftproben und zahlreiche Motiwariationen. Vieles andere mag der Betrachter beim Durchblättern selber entdecken und miteinander in Beziehung setzen. Verschiedene vorgeschichtliche Ornamentsysteme lassen erkennen, wie sich die herkömmlichen Formen ohne wesentliche Veränderungen über lange Zeiträume erhalten haben und auch in der Gegenwart noch durch bloße Nuancierung wie neu erscheinen. Auch dem klassischen Omamentschatz wurdi