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Das erzählte ich meinem Zahnarzt. Maulgesperrt und der Mattscheibe gegenüber, die, tonlos wie ich, Werbung erzählte: Haarspray Wüstenrot Weißeraisweiß . . . Ach, und die Tiefkühltruhe, in der zwischen Kalbsnieren und Milch meine Verlobte lagerte, Sprechblasen steigen ließ: »Halt du dich da raus. Halt du dich da raus . . .«
(Heilige Apollonia, bitte für mich!) Zu meinen Schülerinnen und Schülern sagte ich: »Versucht, nachsichtig zu sein. Ich muß zum Zahnklempner. Das kann sich hinziehen. Also Schonfrist.«
Kleines Gelächter. Mittlere Respektlosigkeiten. Scherbaum breitete skurrile Kenntnisse aus: »Sehr verehrter Herr Starusch. Ihr leidgeprüfter Entschluß legt es uns, Ihren mitfühlenden Schülern, nahe, Sie an das Martyrium der Heiligen Apollonia zu erinnern. Im Jahre 250, unter der Regierung des Kaisers Decius, wurde das gute Mädchen in Alexandria verbrannt. Weil die Meute ihr vorher mit Kneifzangen alle Zähne gezogen hatte, ist sie die Schutzheilige aller Zahnwehleidenden und ungerechterweise auch der Dentisten. Auf Fresken in Mailand und Spoleto, in den Gewölben schwedischer Kirchen, aber auch in Sterzing, Gmünd und Lübeck sieht man sie mit Zange und Molar abgebildet. Viel Spaß und fromme Hingabe. Wir, Ihre 12 a, werden die Heilige Apollonia um Fürbitte ersuchen.«
Die Klasse murmelte Segenssprüche. Ich bedankte mich für den mäßig witzigen Unsinn. Vero Lewand verlangte mir sogleich eine Gegenleistung ab: mein Votum für die seit Monaten geforderte Raucherecke neben dem Fahrradschuppen. »Das kann ja kaum in Ihrem Sinn sein, wenn wir unbeaufsichtigt auf dem Klo qualmen.« Ich versprach der Klasse, während der nächsten Konferenz und dem Elternrat gegenüber eine zeitlich begrenzte Raucherlaubnis zu befürworten, wenn Scherbaum bereit sei, die Chefredaktion der Schülerzeitung zu übernehmen, falls ihn der Schülerausschuß der smv dazu auffordern sollte: »Entschuldigen Sie den Vergleich: meine Zähne und euer Wurstblättchen müssen behandelt werden.« Aber Scherbaum winkte ab: »Solange aus der Schülermitverantwortung keine Schülermitbestimmung wird, tu ich nix. Einen Blödsinn kann man nicht reformieren. Oder glauben Sie etwa an reformierten Blödsinn? - Na also. - Das mit der Heiligen stimmt übrigens. Können Sie nachschlagen im Kirchenkalender.«
(Heilige Apollonia, bitte für mich!) Denn die einmalige Anrufung schlägt bei den Märtyrern nicht zu Buch. So machte ich mich am späten Nachmittag auf den Weg, verzögerte die dritte Anrufung, und erst auf1 dem Hohenzollerndamm, wenige Schritte vor jenem Hausnummernschild, das mir in der zweiten Etage des bürgerlich bemessenen Miethauses die Praxis des Zahnarztes versprach, nein, im Treppenhaus erst,
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