Bővebb ismertető
Vorwort
Die Einverleibung Österreichs in das Dritte Reich im März 1938, üblicherweise als ,,Anschluß" bekannt, ist eine einschneidende Zäsur in der Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert. Sie ist auch ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte Europas im Vorfeld der Entfesselung des Zweiten Weltkrieges. Es bedarf daher keiner näheren Erklärung dafür, daß anläßlich der fünfzigsten Wiederkehr des Gedenkens an den März 1938 im Jahre 1988 ein von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veranstaltetes Symposion stattfand, dessen Ergebnisse in diesem Band vorgelegt werden. Im Rahmen der Vielzahl von Veranstaltungen, die im Jahre 1988 in Österreich stattfanden, zeichnete sich das Symposion der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durch einen besonders großen Anteil ausländischer Referenten und Kommentatoren aus. Der vorliegende Band legt davon Zeugnis ab.
Ein Ereignis wie der ,,Anschluß" vom März 1938 - ein Wort, das ja auch in andere Sprachen Eingang gefunden hat, dessen Problematik aber durch die üblich gewordene Setzung in Anführungszeichen zum Ausdruck kommt, bleibt weiterhin kontrovers. Es ist einmal gesagt worden, daß die Befassung mit den internationalen Aspekten des ,,Anschlusses" apologetisch wirke; denn in der Tat ist ja die Außenpolitik sehr vieler europäischer Staaten vor und nach dem März 1938 von einer unübersehbaren Tendenz des Arrangements mit Hitler gekennzeichnet, die der Einverleibung Österreichs Vorschub leistete. Doch diese Überlegung darf nicht dazu führen, die Geschichtswissenschaft von ihrer Aufgabe zu entbinden, ein konstitutives Element der Geschichte der dreißiger Jahre, eben das internationale Staatensystem einschließlich des außenpolitischen Aufstiegs des Dritten Reiches seit 1933 und Österreichs prekärer und immer isolierter werdenden Lage, gebührend in Rechnung zu stellen.
Ebenso ist es die Aufgabe der Geschichtswissenschaft, die inneren Faktoren zu analysieren, die innerhalb der politisch tief zerklüfteten und in drei Lager gespaltenen Bevölkerung Österreichs die wachsende Rezeptivität von Teilen der Bevölkerung gegenüber dem Nationalsozialismus und das massenpsychologische ,,Umkippen" in den Märztagen von 1938 begünstigten. Stefan Zweig hat einmal in seiner „Welt von gestern" geschrieben: „Ich hatte zuviel Geschichte gelernt und Geschichte geschrieben, um nicht zu wissen, daß die große Masse immer sofort zu der Seite hinüberrollt, wo die Schwerkraft der momentanen Macht liegt. Ich wußte, daß dieselben Stimmen, die heute ,Heil Schuschnigg' riefen, morgen ,Heil Hitler' brausen wür-