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ÖSTERREICHISCHE MUSIKZEITSCHRIFT
GEGRÜNDET VON DR. PETER LAFITEf
27. JAHRGANG
JÄNNER 1972
HEFT 1
MISZELLEN ZU MICHAEL HAYDN
Gerhard Groll
Ein Zweig der reichen Forschungstätigkeit, die der Salzburger Ordinarius für Musikwissenschaft, Prof. Dr. Gerhard Groll, mit seinen Mitarbeitern zur Klärung der lokalen Musikgeschichte entfaltet, betrifft Michael Haydn, dessen Bedeutung durdi die Geniahtät des Bruders allzu sehr und allzu lange verdunkelt wurde. Der Rekonstruktion eines authentischen Midiael-Haydn-Bildes dient eine Ausstellung im Salzburger Museum Caroline Augusteum, die während der traditionellen Mozart-WoÄe am 28. Jänner 1972 eröffnet wird.
Der Blick auf das Bild, das wir von Johann Michael Haydn haben oder uns zu machen versuchen, ist, trotz der liebevollen und sorgfältigen Biographie von Hans Jancik, die vor nunmehr zwanzig Jahren erschien, und trotz der seitdem insbesondere von amerikanischer Seite angestellten Bemühungen noch wenig deutlich, es ist verstellt oder getrübt, vor allem wohl durdi die Gestalt Wolfgang Amadeus Mozarts und — vielleicht mehr noch — durch Größe und Ruhm seines Bruders Joseph Haydn.
Auch die allgemeine charakterliche Beurteilung fällt meist nicht gut aus, man weiß über Michael Haydn oft nicht mehr zu sagen, als daß er recht faul gewesen sei und gerne getrunken habe — „Haydn wird sich in wenigen Jahren die Wassersucht an Hals sauffen, oder wenigst, da er itzt zu allem zu faul ist, immer fäuler werden, so wie er älter wird." Dieses unter dem Eindruck eines kräftigen Ärgers gefällte Urteil Leopold Mozarts, aus dem Zusammenhang gelöst und verallgemeinert, ist, ungewollt und unbewußt, zum Leitbild geworden.
M/
Zur Ikonographie
Fragen wir nach dem „Bild" Michael Haydns im wörtlichen Sinn, so findet man zwar schon in der zwei .Jahre nach seinem Tod erschienenen Biographie ein „Bildniss desselben", ein hübsches Profilbild als Schattenriß in der Manier eines Scherenschnittes (es ist aber eine Radierung, worauf mich Herr Dr. Albin Rohr-moser freundlichst aufmerksam machte, und kein Scherenschnitt, wie es z. B. in MGG V 1934 heißt). Sonst aber wird in der Regel jenes Ölbild abgebildet, von dem dann gesagt wird, es sei „eine Kopie von Sebastian Stief, nach dem Gemälde eines unbekannten Meisters gemalt".