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SAISONBEGINN AUF USEDOM
D
er frühe Sommer in diesem Jahr ließ sich schön an. Vom makellos reinen Himmel strahlte die Sonne, warmer Wind strich über das trockene Land, die Tiere strebten dem Schatten zu, und allerorten wurden die Schnittblumen billig. Der Juni hatte beinahe italienische Färbung. In den Städten begannen Choleriker und Pessimisten nach dem angestrengten Arbeitstag zu seufzen und zu leiden, weil sie ihren Urlaub auf den Juli oder August gelegt hatten. Ich litt nicht. Im Gegenteil: Ganz im Einklang mit der frühsommerlichen Stimmung, saß ich im Zug und dachte darüber nach, warum eigentlich so viele Menschen mit mir nordwärts fuhren. Das Abteil war voll und daher recht unbequem. Tausende saßen in langen Zügen, Tausende und aber Tausende. Hunderttausende, Millionen zogen — in der Eisenbahn, in Autos und auf Rädern — in jedem Sommer an die See. Und viel mehr noch würden in diese Richtung strömen, wäre nicht entlang der Küste von Ahlbeck bis zur Flensburger Förde schon jedes Haus bis unters Dach belegt. Was zieht uns so nordwärts wie ein Magnet? Was gibt es an der Ostsee zu sehen? Gibt es keine Berge, keine Täler, keine Wälder mehr? Welche Gewalt, welche Zauberkraft ist hier am Werk?
In unserer Heimat gibt es viele abwechslungsreiche Landschaften, jede ist liebenswert, und ich muß sie nicht erst aufzählen. Doch die Küste ist unvergleichlich, allenthalben vom Meer umspült, von salzigen Winden gekühlt und angefächelt. Wer sie einmal entdeckte, für den ist sie schöner als alle Vorstellungen, die er sich einst machte. Nie verblaßt die Erinnerung an sie.
Und die Ostsee endlich selbst. Es stimmt nicht, daß nur das Baden in den Wellen und die Spiele im glühenden Sand uns locken. Sicher stärken das gesunde Wandern am Strand, die jodgetiänkte Luft unser körperliches Wohlgefühl. Doch was uns wirklich verwandelt, ist ein anderes. Es ist das Rauschen, die mächtige Stimme des Meeres, es ist die ungeheure Weite des Wassers, über die unsere Augen schweifen, diese ewige, ungreifbare Ferne, vor der wir stehen und die uns den Atem benimmt — es sind die alt-