Bővebb ismertető
Gibt es so etwas wie eine Steigerungsstufe von
Tirol, genannt das Land im Gebirge? Ja: Osttirol.
In diesem Landesteil ist das Gebirge, da es sich auf
einer Fläche von nur 2020 Quadratkilometer zu-
sammendrängt, konzentrierter als in Nordtirol.
Fast die Hälfte Osttirols liegt höher als 2000 Me-
ter. Die Siedlungen in diesem Raum - es sind
33 Gemeinden - zeigen das Gesicht, das von den
Jahrhunderten, nicht nur von den letzten Jahr-
zehnten geprägt wurde. Die Kulturdenkmäler
sind vielfach älter als in Nordtirol: In Debant tritt
die Römerstadt Aguntum von Jahr zu Jahr deutli-
cher zutage, auf dem Kirchbichl in Lavant wurden
Säulen und Grundmauern einer frühchristlichen
Basilika freigelegt, und es stehen Heiligtümer in
der Einsamkeit mit romanischen Bauelementen,
Kirchen von rein gotischer Architektur mit
Flügelaltären, Schreinen und Freskenzyklen von
derber Schönheit. Die Menschen in diesem ge-
schichtlich alten Land zwischen dem einstigen
Herzogtum Kärnten und dem Bistum Brixen ha-
ben viel bewahrt von ihrer Ursprünglichkeit. Tra-
dition ist für sie kein Aushängeschild, sondern wie
die Gastlichkeit ein Bedürfnis des Herzens. Die
Osttiroler denken fortschrittlich, aber sie nehmen
nicht unkritisch an, was sich als Fortschritt gebär-
det. Sie widerstehen seiner Blendwirkung und
prüfen bedächtig, ehe sie Neuem vertrauen. Ostti-
rol ist ein Stück Tirol mit kräftigeren Konturen,
mit stärkeren Akzenten und mit einer Vergangen-
heit, die sich dem Menschen eindrucksvoll und in
körniger Unmittelbarkeit darbietet. Osttirol ist
auch klimatisch eine Art Komparativ zu Tirol. Im
reich besonnten Talbecken von Lienz weht die
milde Luft des Südens. Die Palmen, die dort im
Sommer den Hauptplatz schmücken, sind keine
Attrappen. Hier atmet es sich leicht, und das tut
wohl.
Seit Kaiser Maximilian 1519) ist Osttirol nur
mit einer Unterbrechung von 1938 bis 1947 - zu
dieser Zeit war es ein Teil des Gaues Kärnten — ein
Verwaltungsbezirk Tirols. Der Verwaltungsbe-
zirk Lienz ist der größte von den neun Bezirken
des Landes. Eine schmerzliche Wende in der dra-
matisch bewegten Geschichte Osttirols brachte
das Ende des Ersten Weltkrieges. Damals wurde
Gesamttirol zerrissen. Das Gebiet südlich des
Brenners und des Reschenpasses fiel an Italien.
Osttirol wurde dadurch vom „Mutterland" ge-
trennt. Ohne unmittelbare Verkehrsverbindung
mit der Landeshauptstadt Innsbruck mußte sich
der Verwaltungsbezirk Lienz im Abseits bewäh-
ren und entwickeln. Reiste ein Osttiroler mit der
Bahn nach Innsbruck, mußte er einen Umweg
über Kärnten-Salzburg in Kauf nehmen. Erst
nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die Osttiro-
ler einen Korridorzug benützen, der über italieni-
sches Staatsgebiet durch ein Stück Südtirol nach
Nordtirol fuhr und heute noch fährt. Am 25. Juni
1967 aber besserte sich schlagartig die Verkehrsla-
ge im Bezirk: Die winter- und lawinensichere
Felbertauernstraße mit dem 5,2 Kilometer langen
Basistunnel wurde dem Verkehr übergeben. Diese
großartige Alpenstraße durchstößt das Tauern-
massiv im Norden des Landesteiles und schafft so
über ein Stück Salzburger Land hinweg die kür-
zest-mögliche Verbindung mit Innsbruck. Die
Felbertauernstraße (Maut!) verkürzt bis weit in
den süddeutschen Raum hinein die Anreise zur
Adria. Ohne diese Gebirgsstraße, die sich in tech-
nischer Vollkommenheit harmonisch in die heroi-
sche Landschaft fügt, wäre Osttirol immer noch
abgeschnitten von der Landeshauptstadt und von
einem Einzugsgebiet, in dem Millionen Menschen
wohnen, die sich nach einem alpinen Urlaubsland
mit ausgeprägtem Profil sehnen.
Ein Blick auf die Gebirgs- und Flußkarte zeigt,
daß der Raum Osttirol eine Summe von Talschaf-
ten und Gebirgsstöcken ist. Die Drau ist der wich-
tigste Fluß. Sie durcheilt, aus Südtirol kommend,
das Pustertal und nimmt in Lienz die aus dem
Iseltal ungebärdig herbeirauschende Isel auf. Zwi-
schen Leisach bei Lienz und Nörsach bei Nikols-
dorf weitet sich der fruchtbare, dichtbesiedelte
draudurchflossene Lienzer Talboden, dessen Mit-
telpunkt die Stadt Lienz ist. Hier residierten einst
die Grafen von Görz.
Der größte Ort im Pustertal, das von der Bahnli-
nie Klagenfurt-Villach-Franzensfeste erschlossen
wird, ist die Marktgemeinde Sillian nahe der