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RICHÁRD OUVERTÜREZ URichárd Wagner hat seinem Tann-háuser", dessen Erstaufführung unter des Meisters Leitung an der Kgl. Hof-oper zu Dresden am 19. Október 1845 stattfand, eine Ouvertüre vorangestellt, die zu den glanzvollsten Orchester-werken dieser Qattung gehört.In die Zeit der Pariser Notjahre falit die 1841 in der Revue et Gazette musicale" veröffentlichte, sehr beachtenswerte Abhandlung Wagners Über die Ouvertüre". Neben dem Versuch einer ge-schichtlichen Entwicklung dieser Kunst-form umreijjt der Verfasser den Anteil der instrumentalen Einleitung am Drama und ihre Beziehung zu diesem. Von dem gewonnenen Gesichtspunkte aus er-scheinen ihm als ideale Beispiele die Ouvertüren zu Glucks Iphigenie in Aulis" und zu Mozarts Don Giovanni"; Weber wird in diesem Zusammenhange als der Erfinder der dramatischen Phantasie" gepriesen. Beethovens Wer-ken dieser Art zollt Wagner höchste Be-wunderung, insbesondere gilt dieselbe der grogén (III.) Leonoren"-Ouvertüre; aber . . . fern davon, nur eine musi-kalische Einleitung zum Drama zu geben, führt sie uns dieses bereits vollstandiger und ergreifender vor, als es in der nach-folgenden gebrochenen Handlung ge-schieht. Das Werk ist nicht mehr eine Ouvertüre, sondern das gewaltigste Drama selbst". Nach Wagners Auf-'assung besteht der Zweck der Ouver-No. 669E. IinWAGNER, TANNHÁUSER"türe darin, ohne Mijjbrauch der musi-kalischen Mittel den allgemeinen Stim-mungsgehalt der Handlung einzufangen und einer Lösung zuzuführen, die der szenischen vorahnungsvöll" entspricht. Der Punkt der Berührung mit dem dramatischen Sujet würde demnach in dem Charakter der beidenHauptthemen, sowie in der Bewegung liegen, in welche diese die musikalische Ausarbeitung versetzt."Diese Richtlinien finden ihren ersten Niederschlag in der Einleitung zum Fliegenden Hollánder" und bestimmen vollends den Aufbau der Tannháuser"-Ouvertüre, einer Synthese der Sonaten-form und programmatischer Gedanken. Die zwei wichtigsten Themen, der Pilger-chor und der Motivenkomplex des Venus-berges, bilden in ihrem Widerstreit die Elemente des musikalischen Geschehens und schliejjen damit die prinzipielle Geisteshaltung des Dramas in sich. Der Erlösungsgedanke, der mit geringen Ausnahmen das gesamte Schaffen Wagners durchzieht, ist auch hier die trei-bende Kraft. Die Gegenüberstellung des frommen, heilverkündenden Gesanges der Rompilger zu dem wollüstigen Sinnestaumel im Reiche der Venus führt aber nicht zu gewaltsamer Entscheidung; vielmehr ist der am Schlusse der Ouvertüre in triumphaler Pracht wiederkeh-rende Pilgerchor der Jubel des aus dem Fluche der Unseligkeit erlöslen Venus-berges selbst. . .":. 3768