Bővebb ismertető
In der westlichen Publizistik und Geschichtsschreibung herrscht heute noch vielfach eine erstaunliche Unkenntnis der ungarischen Aufienpolitik in der Zwischenkriegszeit. Zwar wird fünf Jahrzehnte nach Kriegsende die sogenannte Horthy-Ára nicht mehr in Bausch und Bogén verurteilt; die von der marxistisch-leninistischen Ideologie verbreiteten Thesen vom Horthy-Faschismus und vom letzten Satelliten Hitlers finden immer weniger Anhánger. Doch der wachsende Abstand von den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges beziehungsweise den Ereignissen, die zu diesem Armageddon des 20. Jahrhunderts führten, ist noch nicht gánzlich zur Herausarbeitung objektiver Urteile genutzt worden. Ein neuer Anlauf dazu darf selbstverstándlich nicht zu einem historiographischen Revisionismus führen, der von einem dem Zeitgeschmack entsprechenden Journalismus oft falsch gedeutet, ja mitunter als Sympathie mit dem Nationalsozialismus ausgelegt wird. Nein, die Greueltaten des Nationalsozialismus oder des Bolschewismus dürfen unter keinen Umstánden relativiert werden. Ebensowenig darf es aber als Revisionismus abgestempelt werden, wenn die moderne Geschichtsschreibung die Tatén der handelnden Staatsmánner der dreifiiger Jahre, die - wie Chamberlain, Halifax oder Daladier - vor Kriegsausbruch um die Aufrechterhaltung des Friedens in Európa bemüht waren und aus diesem Grundé mit den zeitgenössischen Diktátorén Verhandlungen in die Wege leiteten, heute objektiver beurteilt als die Forschung unmittelbar nach dem Krieg. Die Historiker der Gegenwart und der Zukunft legten ein Armutszeugnis ab, wenn sie bei der Analyse der Epoche 1914-1945 bei den Thesen der alliierten Kriegspropaganda verharrten und beim Studium der Ursachen des Zweiten Weltkrieges die Ungerechtigkeiten und den vielfachen Widersinn der Versailler Friedensordnung aufier acht liefien. In vielen historischen Abhandlungen, die sich mit der ungarischen Politik der Zeitspanne 1919-1944 befassen, werden Ereignisse und Beweggründe háufig einseitig, in besserem Falle oberfláchlich dargestellt. Die Handlungsweise der damaligen ungarischen Staatsmánner kann nicht hinreichend erklárt werden, wenn die Argumentation den geopolitischen Druck des Dritten Reiches, die Angst vor der sowjetischen Gefahr und die verborgenen, bisweilen auch offenen nationalsozialistischen Sympathien gewisser ungarischer Volksschichten einschliefit, ohne die verheerenden Folgen des am 4. Juni 1920 unterzeichneten Friedensvertrags von Trianon zu berücksichtigen. Es wird ein immerwáhrendes Verdienst des englischen Historikers Carlile Aylmer Macartney bleiben, dafi er im Jahrzehnt unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Dokumente gesammelt und gesichtet, mit vielen noch lebenden, einst mafigeblichen Politikern gesprochen und korrespondiert hat, um sein grofies zweibándiges, bis heute unübertroffenes Werk über Horthy-Ungarn unter dem Titel