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Heute gibt es keine Zweifel mehr daran, daB die 25 Gemálde Paul Cézannes, die in den Museen von Moskau (14) und Leningrád (11) aufbewahrt werden, einen wichtigen Teil seines Kunsterbes darstellen. Diese Gemálde, die zu Beginn unseres Jahrhunderts erworben wurden, heben sich nicht nur durch ihren hohen künstlerischen Wert hervor, sondern sie widerspiegeln auch, was besonders bemerkenswert ist, die Hauptperioden im künstlerischen Schaffen des Meisters. Neben den allgemein anerkannten Meisterwerken, wie Ufer der Marne (Puschkin-Museum in Moskau), Grofie Kiefer beiAix und Landschaft in Aix, gehören zum Bestand der sowjetischen Sammlungen auch einmalige Werke Cézannes, die keinerlei Parallelen in seinem Schaffen habén: Madchen am Klavier (Tannhauser-Ouvertüre) und Pierrot und Harlekin (Marái Gras).
Die Werke Cézannes wurden am Anfang des 20. Jahrhunderts von den hervorragenden russischen Kollektionáren S. Stschukin und I. Morosow sorgfáltig und liebevoll gesammelt, von Kennern mit feinem Geschmack und sicherem Auge, was ihnen gestattete, solche in ihren Eigenschaften ausgezeichnete Sammlungen zusammenzustellen. Einen nicht geringen EinfluB hatte auf sie auch die russische künstlerische Öffentlichkeit. So erschien in der Petersburger Zeitschrift Mir iskusstwa (Welt der Kunst) schon im Jahre 1904, das heiBt im Jahre der ersten Personalausstellung Cézannes im Pariser Sálon d'Automne (Herbstsalon), ein Artikel des bekannten russischen Kunstkenners I. Grabar, der dem Überblick der Ausstellungen von Cézanne in Berlin und Paris gewidmet war. Dann folgte eine Reihe von Aufsátzen in den Kunstzeitschriften Iskusstwo (Kunst) (1905), Wesy (Waage) (1906), Solotoje runo (Goldenes Vlies) (1908) und Apollon (Apollo) (1910 und 1912). 1912 übersetzte P. P. Kontschalowski, ein hervorragender russischer Künstler, das Buch Émile Bernards Souvenirs sur Paul Cézanne ins Russische. Und gerade in diesen Jahren wird in RuBland ein groBer Teil der Werke Cézannes erworben. Nach der retrospektiven Ausstellung Cézannes im Sálon d'Automne kaufte I. Morosow im Jahre 1907 seine Bilder Tal am Mont Ste-Victoire (Puschkin-Museum für bildende Künste, Moskau*) und Stilleben mit Draperie (Ermitage, Leningrád**).
Es wáre nicht möglich, in einem kleinen Aufsatz das Schaffen Cézannes vollstándig zu erfassen, und das ist auch nicht nötig. Dies ist schon in den fundamentalen Werken von Gerstle Mack, Lionello Venturi, John Rewald, Jack Lindsay u. a. getan worden. Und dennoch wáre es für einen Forscher, selbst im ausführlichsten Werk, nicht möglich, auf alle Arbeiten des Künstlers auch nur flüchtig einzugehen, denn sein künstlerisches Érbe ist einfach zu groB: über 800 Bilder, ungefáhr 500 Zeichnungen und 350 Aquarelle. Deshalb wáhlte jeder der Autoren für sich nur einige der Höhepunkte und schuf auf ihrer Basis seine eigene Bewertungsreihe. Die Verfasserin des vorliegenden Aufsatzes versuchte, die Entwick-lung von Cézannes Schaffen und die Herausbildung seiner Ideen an Hand von Werken zu verfolgen, die seinerzeit von russischen Sammlern zusammengetragen wurden. Diese Auswahl erscheint um so interessanter, weil, wie schon erwáhnt wurde, zu der Cézanne-Sammlung in RuBland sowohl russische Künstler als auch die russische Kritik ihren Beitrag leisteten und da auf der Grundlage der Werke Cézannes aus den Sammlungen von Stschukin und Morosow mehrere Generationen russischer und sowjetischer Künstler erzogen wurden. Selbstverstándlich ermöglicht eine solche begrenzte Anzahl von Werken nicht, sich ein vollstándiges Bild über die Evolution Cézannes zu verschaffen, doch ihre Analyse gestattet wohl, einige Seiten dieses Prozesses zu beleuchten.
* lm weiteren: Puschkin-Museum.
** lm weiteren: Ermitage.