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Durch tausende Kilometer von Europa getrennt, in Atuana auf der Insel Hiva-Oa, die zur Gruppe der Marquesas-Inseln in Polynesien gehört, ruht auf einem kleinen Friedhof der französische Maler Paul Gauguin. Seinen Namen und das Sterbejahr ließ sein eingeborener Diener Tioka in einen Basaltblock einmeißeln. Hier, weit von seiner Heimat, endete die dramatische und schöpferische Lebensfahrt eines der Begründer der modernen Malerei, der zugleich einer der größten Künstler aller Zeiten war.
Die bewegten Geschicke Gauguins entsprangen nicht nur seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit, sie waren auch das Produkt der gesellschaftlichen Verhältnisse im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts. Den entscheidenden historischen Wendepunkt stellte die Niederlage der Pariser Kommune im Jahre 1871 dar. Sie ermöglichte den Antritt der Reaktion mit allen negativen Erscheinungen der bürgerlichen Welt, der Gesellschaft, der Sitten und Lebensart. Für alle fortschrittlichen Künstler entstand eine Lage, die für sie untragbar war und aus der sie aktiv einen Ausweg suchen mußten. Gegen den Verfall des Lebens in der westlichen Zivilisation konnte man entweder aus ihr heraus kämpfen oder in entlegene Winkel der Welt fliehen, wo das Leben noch in seiner unberührten ursprünglichen Form erhalten war.
Diesen Traum von der Flucht in die Welt der Primitiven und Wilden, wie er bereits in der Zeit der französischen Aufklärung im 18. Jahrhundert aufgekommen ist, setzte Paul Gauguin auf geradezu manifestante Weise in die Tat um. Weitab von Westeuropa bemühte er sich voller Hingabe, die Entfremdung des Menschen im Leben und in der Kunst zu überwinden, denn sie war typisch für eine Gesellschaft, die sich von den revolutionären Idealen losgesagt hatte. Das war ein überaus schwieriges Bestreben, das eine ungewöhnliche geistige und physische Widerstandskraft erforderte und die Fähigkeit, den Kampf nach jeder Niederlage ungebrochen von neuem in Angriff zu nehmen. Die Art und Weise, wie Gauguin diese Opfer auf sich nahm sowie seine bewundernswerte Unnachgiebigkeit im Leben und in der Arbeit machten aus ihm eine Persönlichkeit, wie sie in der westeuropäischen Kunstgeschichte nicht ihresgleichen hat.
Gauguins Lebensdramen gaben immer wieder den Impuls zu wissenschaftlicher und künstlerischer Verarbeitung, die jedoch vielfach die Wirklichkeit recht wesentlich verzeichneten. So entstanden zahlreiche mehr oder weniger falsche Legenden, in denen das menschliche Schicksal Paul Gauguins seine künstlerische Persönlichkeit verdrängte und die Harmonie zwischen seiner menschlichen und künstlerischen Entfaltung übersehen wurde. Zur Entschuldigung für alle Autoren, die dieser Einseitigkeit unterlagen, muß man allerdings bemerken, daß gerade die ganz außergewöhnliche Lebensbahn und die mitunter fast mystischen Geschicke des Künstlers zweifellos den Anlaß für eine solche Verzeich
i. Selbstbildnis (Oviri — Der Wilde). Gipsrelief. !^,3 x 3;,6 em. Ungefähr lS)l. Paris, PrivalkoUtktkn.