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m den Ausgang des Jahres 1670 treffen in der düsterstenaller Herrscherresidenzen, im Moskauer Kreml, etwa sechzigjunge Mädchen ein. Sie kommen aus allen Teilen des weiten Rei-ches, aus Schlössern, Bürgerhäusern und Hütten. "Weder Abkunftnoch Rang ist bei ihrer Auslese bestimmend gewesen, sonderneinzig nur fraulicher Reiz und Gesundheit. Nach ihrer Ankunftwerden die sechzig noch einmal eingehendster Prüfung unter-zogen und sodann in sechs Räumen untergebracht, wo sie nichtszu tun haben, als zu warten.Man hält sie in strengster Abgeschlossenheit, niemandem istdas Konklave zugänglich. Den Tag können sie verbringen wiesie wollen, und sie ergeben sich dem tändelnden Müßiggang,den sie gewohnt sind: die eine nestelt an einer Stickerei, die an-dere trällert ein Lied, mehrere lauschen einer Dritten, die alte,längst bekannte Wunderlegenden erzählt. Man gähnt, seufzt,träumt.Am Abend werden Betten aufgeschlagen: schmale, schmuck-lose Lagerstätten, eine neben der anderen; und alle einandergleich. Die Mädchen begeben sich zur Ruhe. Keines von ihnenohne herzklopfende Erwartung, welche Entscheidung die Nachtbringen wird. Denn sie wissen, daß unverbrüchlichem Herkom-men gemäß, wenn sie im Schlummer liegen, zwei Männer erschei-nen werden, der Zar und sein Leibarzt, um, von Bett zu Bettschreitend, unter all den Schönen die Schönste als das zur Freudedes Herrschers geeignete Weib" zu wählen. Gleichgültig, wer dieErkorene, ob Fürstentochter oder Bauerntochter, tags daraufwird sie zur Großfürstin ernannt und sodann zur Zarin ge-krönt. So will es die Überlieferung.Die sechzig Anwärterinnen, die diesmal versammelt worden,jegliche gewärtig einer Schicksalswende, wissen allerdings nicht,