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Er spricht von einer Reise, die ihn den Schmerz vergessen lassen könnte. In den Jahren 1628, 1629 und 1630 ist er wieder in England, in Madrid. Er empfängt die höchsten Ehren, wird zum Ritter geschlagen. 1630 heiratet der 53 jährige die 17 jährige Helene Four-ment, von der Philipp Rubens sagt, sie hätte durch „die Schönheit ihrer Gestalt selbst nach dem Urteil des Paris dessen Helena besiegt". Er wird nicht müde, seine junge Frau zu malen, er wird angeregt zu den kostbarsten und intimsten Darstellungen weiblicher Schönheit, die wir besitzen. Mythologischen und heiligen Gestalten leiht er ihr Gesicht, ihren Körper. Seine Malerei wird schmelzender, weicher, sprühend und duftig in der Farbe. Nun gewinnt Rubens ein besonders inniges Verhältnis zur Landschaft. 1635 erwirbt er die Herrschaft Steen. Das mittelalterliche Schloß, das er für sich und die Seinen einrichtet, wird zum Ruhesitz seines Lebensabends. Hier studiert er die Erscheinungen des Lichts, hier entstehen die wunderbaren Landschaftsbilder, die Rubens nie im Auftrag, sondern immer für sich malt. In den letzten Jahren sucht ihn die Gicht heim. Mühsam nur kann er seinen Pflichten genügen, immer wieder muß er die Auftraggeber vertrösten. 1640 stirbt er. Der Ruhm, der ihn seit seiner frühen Zeit begleitete, hat ihn nicht verlassen. Über seinen Tod hinaus reicht er bis in unsere Zeit. Die Wertschätzung schwankte in den Jahrhunderten nach ihm, jede Zeit aber war sich bewußt, daß Rubens einer der größten Maler des Abendlandes war.
Es sind seine Werke, in denen sich seine hervorragende künstlerische Leistung spiegelt: Seine Tat ist, der europäischen Malerei das ganze Bild zurückgewonnen zu haben, das ganze Bild, wie es die Hochrenaissance geschaffen hatte.
Nachdem in den beiden ersten Jahrzehnten nach 1500 eine ideale Harmonie aller Teile des Bildes erreicht wird, macht sich ein ebenso allgemeiner wie tiefgreifender Wandel im Charakter der Kunst geltend, von dem die Malerei am schwersten betroffen wird.
Sei es aus einem Gefühl eigenen Unvermögens, der Kleinheit gegenüber den Genies der Jahrhundertwende, sei es aus gewissen Veränderungen der sozialen Struktur: das, was das Bild der Hochrenaissance ausmacht, die Einheit im Gespräch all seiner Elemente, geht verloren. Der Bildraum wird zerrissen, und in einer Darstellung kann er nebeneinander als mächtig ausgedehnt, als flüchtend und gleichzeitig als Folie erscheinen. Die freundliche Helligkeit, die vor allem Werke Raffaels auszeichnet, muß in den Arbeiten seiner Schüler einer uneinheitlichen, verwirrenden Lichtführung weichen. Das gleichmäßige Zueinander der Figuren wird ebenso vermieden wie das der Körper und ihrer Gliedmaßen. Wie unter einem Zwang scheinen die Bildgegenstände von einer fremden Kraft beherrscht. Das Bild verliert sein Zentrum, und es kann geschehen, daß es Addition von zwei, wenn nicht mehr Bildern bedeutet. Dieses additive Nebeneinander, das der harmonisdien Gleichzeitigkeit des Renaissancebildes immer mehr weicht, führt schließlich zu abstrusen Gebilden, in denen eine Art Gesetzmäßigkeit des Widernatürlichen erstrebt zu sein scheint.
Europa ist in diesem Jahrhundert schweren religiösen, politischen und sozialen Krisen ausgesetzt. Die Entdeckung Amerikas wird jetzt aktuell, und während ungeheure Schätze nach Europa fließen, zerfleischen sich die Staaten in grausamen Machtkämpfen. Reformation und Gegenreformation erregen die Geister; ein neues naturwissenschaftliches Weltbild bezweifelt die Geozentrizität und stellt die Sonne in den Mittelpunkt einer unendlichen Welt.