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Einleitung
Adelbert von Chamisso
Ich bin Franzose in Deutschland und Deutscher in Frankreich, Katholik bei den Protestanten, Protestant bei den Katholiken, Philosoph bei den Gläubigen und Frömmler bei den Freigeistern, Weltmann bei den Gelehrten und Pedant bei den Leuten von Welt, Jakobiner bei den Aristokraten, und bei den Demokraten ein Adeliger, ein Mann des ancien régime etc. etc. Ich gehöre nirgends hin, ich bin überall fremd
So Adelbert von Chamisso in seinem häufig zitierten Bekenntnis, das er 1810 der Madame de Staël gegeben hatte. Chamisso - ein Wanderer zwischen den Welten, zwischen Frankreich und Deutschland, zwischen Literatur, Dichtung und Naturwissenschaften; ein Mann, dem es - lange - an bürgerlicher Solidität mangelte, dem, wie es später in seinem berühmtesten Werk, dem Schlemihl, heißt, der Schatten fehlte - Zeugnis der Legitimität seiner Existenz.
Geboren wurde er zwischen dem 27. und 30. Januar 1781 als Louis Charles Adélaide de Chamisso auf Schloß Boncourt in der nördlichen Champagne. Die Familie gehörte zum lothringischen Uradel, und wie so viele floh auch sie - im Mai 1792 - vor der Französischen Revolution. Über die österreichischen Niederlande, Holland, Düsseldorf, Würzburg, Bayreuth gelangte die Familie 1795 nach Berlin. Adelbert und seine Brüder bestritten durch Miniaturmalereien in der Königlichen Porzellan-Manufaktur den Unterhalt der Familie; 1796 allerdings wurde Adelbert zum Pagen der Königin Friederike Luise erkoren, die sich seiner annahm und ihm den Besuch des französischen Gymnasiums ermöglichte - Adelberts erste fundierte Ausbildung, ganz im Geiste der französisch-refor-mierten Gemeinde, der Hugenotten-Kolonie Berlins, die den Katholiken Chamisso prägte.
1798 trat er als Fähnrich dem Infanterieregiment Götze bei; insgesamt acht Jahre blieb er bei der preußischen Armee.