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Die Vatikanstadt
Nuntio vobis gaudium magnum: habemus papam! Mit diesen feierlichen Worten, vor denen ein feiner weisser Rauch aus einem Kamin oberhalb der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, verkündet die katholische Kirche in einer seit Jahrhunderten gleichen Form der Welt, einen neuen Papst gewählt zu haben. Es ist das Hl. Kardinalskollegium, das in der Verschwiegenheit der Kapelle (Konklave vom lateinischen « cum clavi » bedeutet, dass die Wähler eingeschlossen sind und den Raum nicht verlassen können, bis nicht der Nachfolger des verstorbenen Papstes gewählt ist) für die Fortdauer der Kirchenregierung sorgt, indem sie einen unumschränkten Herrscher auf Lebenszeit wählen, der die volle und oberste richterliche Gewalt über die ganze katholische Welt mit denjenigen (gegetzgebende, ausübende und richterliche) des Staates der Vatikanstadt in sich vereint.
Dieser winzige Staat von nur 0,440 qkm ist von dem am 11. Februar 1929 mit Ita ien abgeschlossenen Lateranvertrag und dem am 7. Juni desselben Jahres von Papst Pius XL erlassenen « Grundgesetz » in Besitze und Grenzen festgelegt worden. Die Vatikanstadt hat volle Gewalten, prägt Münzen und Briefmarken, hat diplomatische « Nuntiaturen » in der ganzen Welt. Sie wird von einem Statthalter verwaltet und einem Kardinalstaatssekretär vertreten. Sie ist praktisch autonom, mit allen Diensten, einem starken Ra-
diosender und einem Bahnhof ausgestattet. Sie ist eingegliedert in den Petersdom, Mittelpunkt der Christenheit, die Apostolischen Paläste, seit 1377 Papstresidenz, den wunderbaren künstlerischen Komplex der Vatikanmuseen, andere Nebengebäude, die herrlichen Gärten und auch einige ausserhalb ihrer Grenzen in Rom gelegenen historischen Paläste. Ihre Einwohner sind atwa eintausend zwischen den Bürgern von Rechts wegen und den dort ansässigen. Sie erstreckt sich auf dem Gebiet rechts des Tibers, im antiken Rom « ager Vaticanus » genannt, wo zwischen 60 und 70 v.Chr. im Zirkus und in den Gärten von Kaiser Nero viele Christen den Märtyrertod fanden. Hier wurde, angeblich im Jahre 67, der Apostel Petrus ermordet, dem die grosse Basilika geweiht ist, die über. seinem Grabe steht und Ziel der katholischen Wallfahrten aus aller Welt ist. Doch ausser den moralischen und religiösen Werten, die der Vatikan für die ganze Menschheit darstellt, kann man nicht seinen Aspekt des grössten heute auf der Welt bestehenden künstlerischen Komplexes übersehen. Die herrlichen Säle der Vatikanischen Museen, die unnachahmlichen Szenen der Sixtinischen Kapelle, das riesige Schiff der Basilika, der Schwung ihrer einzigartigen Kuppel stellen wahrlich einen Ansporn für jeden Erdenbewohner dar, den Geist gegen die höchsten und edelsten Ausdrücke der menschlichen Seele zu erheben.