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I. Einleitung. Da man den Pflanzen zur Zeit eine Seele zuzusprechen nicht gewohnt ist, so konnte man nicht, wie bei den Tieren, ihre einfachen Bewegungen, deren Ziel die Befriedigung von Lebensbedürfnissen ist, auf die Tátigkeit einer solchen schieben und sie damit aus der naturwissenschaftlichen Betrachtung verbannen. Es galt, sie aus Wirkungen der Kráfte von aufien her zu erkláren. Das Abwártsstreben der Wurzeln und das Aufwartswachsen der Sprosse wurde der Schwerkraft zugeschrieben, die Neigung der laubtragenden Stengel zum Licht den schwingenden Kráftewirkungen des Lichtes selbst und vielleicht der Wárme." So sprach Johannes v. Hanstein in seiner Rede beim Antritt des Rektorats der Bonner Universitát im Jahre 1879. >) Die damit gekennzeichnete Anschauung beherrscht die Pf lanzenphysiologie bis heute. Denn diese bezeichnet sich nicht als Wissenschaft, die alle Ursachen der pflanzlichen Lebenserscheinungen aufzudecken hat, sondern verklausuliert ihre Aufgabe in eigenartiger Weise. Willig trat sie in die Fufistapfen von J. Sachs, wenn er erklárt:2) Der experimentalen Untersuchung unmittelbar zugangig sind - blofi die physikalischen oder áufieren Ursachen des Wachstums, indem wir die inneren erblichen einfach als etwas Gegebenes und in der Hauptsache Unveránderliches betrachten müssen." An derselben Stelle sagt er: Da nun alsó das spezifisch Eigentümliche der Organisation eines Pflanzenteils etwas uns in seinem Wesen völlig Unbekanntes ist, so mufi jede Untersuchung der Wachstumsvorgange sich damit begnügen, zu zeigen, wie sie bei konstanten inneren Bedingungen verlaufen, welche angebbaren Veránderungen 1)J. v. Hanstein, Über den Zweckbegriff in der organischen Natúr. Bonn. 8°. 1880. 2)J. v. Sachs, Lehrbuch der Botanik. IV. Aufl. Leipzig* 1874. S. 745.