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Vorwort
Ich habe lang« gezögert, bis ich dieses Buch schrieb. Oft nahm ich die Feder zur Hand, legte sie beiseite, ergriff sie von neuem, ließ sie wiederum sinken. Bald hielt mich etwas in den literarischen, bald etwas in den musikalischen Werken von Berlioz zurück, stieß mich beinahe ab; ich kam nicht recht in das Thema hinein, um mich familiär auszudrücken. Und da ich der Überzeugung bin, daß eine Biographie nur dann wirklichen Wert besitzt, wenn sie mit Liebe, ja sogar mit gewissen Vorurteilen, nicht aber in kaltem, kritischem Geiste abgefaßt ist, bemühte ich mich, in mir selbst diese Liebe oder wenigstens Sympathie zu erwecken, ohne die es mir unmöglich erscheint, sich einem Menschen durch seine Geständnisse hindurch zu nähern, und noch weniger möglich, das in ihm zu erraten, was er uns, verheimlicht hat.
Ungeachtet dieser Schwierigkeiten gab ich meinen Plan nicht auf. Die Werke von Berlioz blieben auf meinem Tisch. Wann immer eine Gelegenheit sich bot, hörte ich von neuem seine Musik (die in Frankreich so selten, so armselig wiedergegeben wird, die ich aber einst in Deutschland eifrig studiert hatte). Und wenn mich andere Aufgaben von dieser ablenkten, mich sogar einige Jahre hindurch völlig von ihr fernhielten, kam ich doch immer wieder auf sie zurück. Erst war es gleichsam eine Pflicht; sie erwuchs mir aus dem vor nahezu fünfzehn Jahren begonnenen Studium der musikalischen Romantik — jener heroischen Epoche, die das neunzehnte Jahrhundert kennzeichnete und ihm einen bis dahin kaum geahnten Sinn und Ausdruck verlieh. Dann aber wurde daraus eine Entdeckungsreise durch ein an Überraschungen reiches Land, ebenso vielfältig wie die Musik von Berlioz. Denn mag man auch behaupten, Berlioz sei längst „reha-