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Der X50. Tag vor der Hinrichtung 6 Uhr abendsDie Nacht war jung, und er war es auch. Doch in seinem Gesicht stand ein mürrischer, verdrossener Ausdrude. Und das war schade. Denn es war einer jener warmen Maiabende, an denen sich die Stadt zu ihren Rendezvous zusammenfindet. An denen die eine Hälfte der Bevölkerung unter Dreißig sich ein letztes Mal das Haar zurückschniegelt und seine Brieftasche auffüllt, während die andere Hälfte letzte Hand an ihr Make-up gelegt, sich ihr bestes Sommerkleid angezogen hat und voller fiebernder Ungeduld auf eben jenes gleiche Rendezvous wartet.Und dann ist es immer das alte.Da bin ich. Hast du schon lange gewartet?Du siehst heute wieder bezaubernd aus. Wo gehen wir hin?Solch ein Abend war es. Der Himmel im Westen hatte sich tiefrot gefärbt, als ob auch er sich für ein Rendezvous schmücken wollte, und entlang den Straßen flammten die Neonlichter auf, als wollten sie mit den Vorbeiflanierenden flirten. Die laue Abendluft schien voll von Champagner, mit einem Hauch von Coty, und wenn man nicht achtgab, stieg es einem in den Kopf. Oder es griff einem ans Herz.Und da ging dieser junge Mann und trübte mit seiner finsteren Miene die romantische Szenerie des Abends. Es schienen nicht seine finanziellen Verhältnisse zu sein, was ihn bedrückte, denn er trug einen auf Maß geschneiderten, saloppen Anzug. Er war auch nicht etwa krank. Jeder, der mit so kräftigen, weitausgreifenden Schritten dahergeht, kann sich nur bester Gesundheit erfreuen. Der strotzenden Gesundheit eines Dreißigjährigen. Wenn er die Dreißig überschritten hatte, dann höchstens um Monate.Der Sommermantel, der ihm über der Armbeuge hing, wippte im Takt seines Schrittes. Der Hut saß ihm zu weit hinten auf dem Kopf und hatte den Kniff an der falschen Stelle, so als ob sich der