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VorwortDie klassische deutsche Philosophie bildete ein Geschichtsverstándnis und da-mit auch einen Geschichtsbegriff aus, die beide als theoretischer Reflex des objektív verlaufenden historischen Prozesses des Jahrhunderts der deutschen Klassik zu begreifen sind. Nicht zufállig führten die bürgerliche Produktions-weise und die aus ihr hervorgegangenen sozialen und politischen Revolutionen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, die Entfaltung der Wissenschaften und die Analysen historischer Prozesse und Ereignisse zu weltgeschichtlichen Über-legungen, denn das Bürgertum machte selbst Weltgeschichte: seine wider-sprüchliche Produktionsweise in ihren unterschiedlichsten Auswirkungen reichte. bis in den letzten Winkel der Erde, kein Volk und keine Nation blie-ben davon unberührt. In ihren Verallgemeinerungen und Abstraktionen griffen die Exponenten dieses Geschichtsbildes alsó weit über die deutsche Ge-schichte hinaus, sie orientierten sich an der des antiken Griechenland und Rom, an der Geschichte der italienischen, englischen, nordamerikanischen und französischen Nation. Die englische politische Ökonomie und die Fran-zösische Revolution hatten auf sie einen besonderen Einflufí, ohne diese wáren viele ihrer Erkenntnisse unmöglich gewesen; jene verhalf zu einem gewissen philosophischen Verstándnis der Arbeit, eine Grundvoraussetzung Lür das Begreifen der Weltgeschichte, diese zu einer politischen Einordnung von Revolutionen, Gegenrevolutionen und Reformen. In diesem Sinne wurde an der Ver-allgemeinerung der historischen Erfahrungen des Bürgertums gearbeitet, schöpfte die Geschichtsphilosophie der deutschen Klassik unmittelbar aus dem historischen Prozefí, formulierte sie aber auch Fragen, die die subjektive Seite dieses Prozesses betrafen, und brachte Theorien hervor, die nicht selten weit in die zukünftige Gesellschaft wiesen.Alle bedeutenden Leistungen der klassischen deutschen Philosophie und der literarischen Klassik gründen wesentlich in ihren Geschichtsauffassungen: Dia-lektik und Erkenntnistheorie, Menschenbild und Staatstheorien, Rechtstheorie und Kulturauffassung, Ásthetik und Naturphilosophie, Religionskritik und Humanismustheorien.Hatte nicht Immánuel Kant bei der Durchbrechung des Newtonschen Weit-