Bővebb ismertető
1
„Und jetzt kommt die Zeitung an die Reihe", sagte Frau Ber-gius. Sie setzte sich mit dem Ächzen älterer Leute in ihren Polstersessel, den sie sich nahe an den Kachelofen gerückt hatte, denn es war ein kalter Februarabend, und das Heizmaterial war nur noch in so beschränkter Menge da, daß das Zimmer kaum mehr als angewärmt werden konnte.
„Steht ja doch nichts Vernünftiges drin", brummte Professor Bergius und erhob sich widerwillig, um den auf ein einziges Blatt zusammengeschrumpften „Freiheitskampf" von der Kommode zu holen.
„Macht nichts Die Vernunft ist eine Angelegenheit des Lesers", erwiderte die Frau, während sie ihr Strickzeug auf dem Schoß ausbreitete.
Die Abende der beiden alten Leute verliefen seit langem in der gleichen Weise, und auch das Gespräch über die Zeitung wiederholte sich beinahe wörtlich jeden Abend.
Professor Ernst Bergius, einst ein angesehener Kunsthistoriker, war 1933 wegen seiner liberalen Gesinnung in Ruhestand versetzt worden - er hatte damals gerade das sechzigste Lebensjahr überschritten - und lebte seither zurückgezogen zwischen seinen Büchern. Die politischen Vorgänge seit dem Machtantritt der Nationalsozialisten hatte er passiv und mit größtem Mißvergnügen verfolgt. Da er an eine bürgerliche Wiedergeburt in liberalem Sinne in Deutschland nicht glaubte, selbst wenn der Faschismus eine militärische Niederlage erlitte, hatte sich seine Lebensauffassung in einen tiefgehenden Pessimismus verwandelt, dem die Ereignisse recht zu geben schie-
5