Bővebb ismertető
Einführung Die weltweite Unsicherheit im Jahre 1980 wirkte sich in der Welt der Photographie offenbar dahin aus, dal3 sich viele von der Gegenwart abwandten und ihr Augenmerk auf die Schátze und Techniken der Vergangenheit richteten. Einzeln und in Gruppén machten sich Photographen daran, das Alltagsleben in GroB- und Kleinstádten sowie in lándlichen Gegenden zu dokumentieren, wo die althergebrachten Traditionen zunehmend bedroht scheinen. Eine neue photographische Richtung, bei der fiktive Szenen ausschlieBlich zum Zweck photographischer Aufnahmen aufgebaut werden, mutete zunáchst sehr avantgardistisch an, aber bei náherem Hinsehen zeigte sich, daB sie auf einer Tradition fuBt, die auf Júlia Margaret Cameron, die groBe romantische Photographin des 19. Jahrhunderts, zurückgeht. Ein Anzeichen dafür, daB sich die Photographie 1980 nach der Vergangenheit ausrichtete, kann man auch in der groBen Anzahl bedeutender Retrospektiven sehen, die im Laufe des Jahres in aller Welt stattfanden. In Salford bei Manchester wurde im Sommer die bislang gröBte Photoausstellung in England eröffnet. Ein Glanzpunkt der Ausstellung war eine groBe Retrospektive mit den unaufdringlichen, heute schon klassischen Photos von André Kertész. In den Vereinigten Staaten konnten sich die Besucher einer Ausstellung von Autochrom-Bildern aus der Zeit von 1900 bis nach 1930 in Washington, D.C., an frühen Farbphotographien erfreuen. Den bisher umfassendsten Überblick über die in den zwanziger und dreiBiger Jahren entstandenen Portráts und Landschaften des deutschen Photographen August Sander bot eine Ausstellung in Philadelphia. Eine erinnerungstráchtige Retrospektive der Photographie derfünfziger Jahre war in einer Auswahl der Galeristin Helen Gee in New York zu sehen. Alle diese Ausstellungen versetzten den Betrachter in Zeiten zurück, die wir uns heute gemütlicher und stabiler vorstellen als die Gegenwart. Sogar auf dem Gebiet der Phototechnik war 1980 ein Jahr des Reagierens auf Herausforderungen. Heftige Schwankungen des Preises von Silber, einem unerláBlichen Rohstoff für die Herstellung photographischer Filmé und Papiere, veranlaBte viele Photographen, nach Möglichkeiten zur Rückgewinnung des Silbers zu suchen, das bisher mit den verbrauchten Verarbeitungsbádern weggeschüttet wurde. Mehrere Firmen botén dafür kleine Rückgewinnungsanlagen an, und zwei Filmhersteller stellten auf der Kölner Photokina neue Filmé vor, bei denen wáhrend der Verarbeitung das gesamte Silber freigesetzt wird. Dem Zug der Zeit folgten auch die internationalen Preise und Auszeichnungen; viele der preisgekrönten Photos hatten Tod, Hunger, Gewalt oder Gefangenschaft zum Thema. Und auch die sechs bislang weitgehend unbekannten Photographen, die bei der Talentsuche von PHOTOGRAPHIE entdeckt wurden, schlagen in ihren Arbeiten eher melancholischen Töne an - einer von ihnen, der als Photoreporter arbeitet, machte Bilder, die beinahe so bizarr und chaotisch sind, wie es das Jahr 1980 gewesen ist. Die Redaktion