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Vorwort zur vierten Auflage.
Die Zeit seit dem Erscheinen der dritten Auflage ist zu einer tiefgehenden Umarbeitung und Verbesserung dieses Buches benutzt worden. Es tritt nunmehr in großen Teilen als ein ganz neues Buch vor seine Leser. Meine Bemühungen gingen vor allem dahin, ohne nennenswerte Vergrößerung des Umfanges durch eine knappere und dennoch leicht faßliche Darstellung Raum für eine wesentliche Vermehrung des mitgeteilten Stoffes zu gewinnen.
Die gründlichste Wandlung hat der erste Teil des Buches erfahren. Mit Ausnahme ganz weniger Seiten habe ich das i. und 2. Kapitel vollkommen neu geschrieben und vor allem das 1. Kapitel mit fast durchweg neuen Abbildungen ausgestattet. Dabei hat die Mechanik der Massenpunkte und der starren Körper eine ganz neue Darstellung gefunden. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß man unmöglich eine kurze und doch einwandfreie und für den akademischen Anfänger verständliche Einführung in die Mechanik geben kann, wenn man nicht entschlossen von dem Hilfsmittel des Vektorbegriffs Gebrauch macht. Eine Kenntnis der eigentlichen Vektorrechnung ist dabei gänzlich unnötig. Es wird vom Leser nicht mehr erwartet, als daß er die wirklich höchst einfachen Begriffe des vektoriellen und des skalaren Produkts zur Kenntnis nimmt. Auf dieser Grundlage konnte dann auch die Darstellung der Elektrodynamik (6. Kapitel) an vielen Stellen verbessert und vereinfacht werden. Die grundlegenden Fortschritte der Quanten- und Kernphysik in den letzten Jahren machten es notwendig, auch das 9. Kapitel vollständig neu zu schreiben. Neu ist ferner u. a. eine kurze Darstellung der Systematik der Kristalle. Aber auch in den übrigen Kapiteln wurden große Teile neu abgefaßt. Die Zahl der Abbildungen wurde von 503 auf 619 vermehrt.
Mit besonderer Sorgfalt habe ich mich um die Ausmerzung entbehrlicher Fremdwörter bemüht. Doch dürfte unter den deutschen Physikern Einigkeit darüber bestehen, daß solchem Bestreben Grenzen gesetzt sind, die nicht ohne Schaden überschritten werden können.
Obgleich also dieses Buch sehr tiefgehende Änderungen erfahren hat, — von denen ich hoffe, daß sie durchweg als Verbesserungen begrüßt werden —, ist meine Einstellung zu der Aufgabe, die ich mir gestellt habe, durchaus die alte geblieben. Ich möchte mit diesem Buch einen nützlichen Beitrag zur Heranbildung des deutschen Physikernachwuchses leisten, — eine Aufgabe, die für den Fortschritt unseres Vaterlandes heute dringlicher ist, denn je. Ich glaube, daß das nur so geschehen kann, daß man dem werdenden Physiker die Physik von Anfang an so darstellt, wie sie die gereifte Physikergeneration sieht. Nur so gewinnt der junge Physiker ein richtiges Bild von seiner künftigen Arbeit und Aufgabe. Ich halte es nicht für richtig, offene Fragen oder Meinungen, die noch hypothetisch sind, dem Leser grundsätzlich zu verschweigen, denn hier handelt es sich ja gerade um die Dinge, die im Brennpunkt der fortschreitenden Forschung stehen. Der junge Physiker soll wissen, daß es auch für ihn noch genug zu leisten und neues zu finden geben wird. Zu den erkenntniskritischen Problemen der Physik habe ich jetzt häufiger und entschiedener Stellung genommen als früher. Ich weiß wohl, daß die Meinungen in dieser Hinsicht noch geteilt sind. Ich halte diese Fragen aber für zu wichtig, um sie in einem Lehrbuch für Studenten ganz zu verschweigen.