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Roland Penrose - Picasso [antikvár]
 
Der Name, der die Kunstentwicklung dieses Jahrhunderts beherrscht und dem geradezu zwangsläufig die meisten revolutionären Veränderungen zugeschrieben werden, lautet Pablo Picasso. Darüber hinaus ist es großenteils sein Verdienst, daß die Künstler unserer Zeit nicht mehr allein nach der vollkommenen idealen Form streben, sondern die Kunst als das ausdrucksstarke Medium einer Gestaltung emotionaler Vorgänge erkannt haben. Durch die Rückkehr zu der grundlegenden Einsicht, daß die Kunst dem primitiven Bedürfnis entspringt, unsere...
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Der Name, der die Kunstentwicklung dieses Jahrhunderts beherrscht und dem geradezu zwangsläufig die meisten revolutionären Veränderungen zugeschrieben werden, lautet Pablo Picasso. Darüber hinaus ist es großenteils sein Verdienst, daß die Künstler unserer Zeit nicht mehr allein nach der vollkommenen idealen Form streben, sondern die Kunst als das ausdrucksstarke Medium einer Gestaltung emotionaler Vorgänge erkannt haben. Durch die Rückkehr zu der grundlegenden Einsicht, daß die Kunst dem primitiven Bedürfnis entspringt, unsere Empfindungen der Umwelt in einer stark gefühlsbetonten Sprache mitzuteilen, neigen wir heute dazu, die Lebenskraft eines Kunstwerks höher zu schätzen als seine formale Perfektion. Und umgekehrt verhilft uns gerade die außerordentliche Kraft der Kunst Picassos zur Entdeckung der geheimnisvollen Erscheinung der Schönheit in ihr. Schon früh trieben ihn Zweifel und Unzufriedenheit mit den akademischen Regeln zu der Erkenntnis, daß die Suche nach der Schönheit gemäß den herkömmlichen künstlerischen Normen nicht sein Ziel war. Das glänzende Talent, das er als Jüngling zeigte, und die Leichtigkeit, mit der er das Werk anderer großer zeitgenössischer Künstler in sich aufnahm, hätten ihn dazu verführen können, sich mit dem Erfolg zu begnügen, der sich nach Jahren der Armut in Barcelona und Paris endlich einstellte; doch die Stärke seiner Ausdrucksmöglichkeiten, gepaart mit einem ungewöhnlichen Selbstvertrauen, führte zu einer Krisis, die ihn zwang, die bequeme Straße zum Ruhm zu verlassen und den gefahrvollen Sprung in die Tiefe neuer Schöpfungsformen zu wagen. Mit fünfundzwanzig Jahren hatte Picasso den Wendepunkt seiner frühen Laufbahn erreicht. Der Kampf, den der junge Künstler damals ausfocht, fand seinen eindrucksvollen Niederschlag in dem großen Bild Les Demoiselles d'Avignon (Tafel 16), das er im Frühjahr 1907 in Paris malte. Für seine Freunde war es ein Schock, daß er einen Stil, den sie liebgewonnen hatten, zugunsten einer Kunstform aufgab, für die ihnen das Verständnis fehlte. Nicht einer unter ihnen, weder Matisse, Braque und Derain, noch seine ihm bisher zugetanen Gönner, nicht einmal sein treuer Freund und Bewunderer Guillaume Apollinaire konnten dieses Werk begreifen, das ihnen zunächst ungeheuer und maßlos erschien. Es dauerte viele Monate, bis sie diesen Angriff auf ihre Empfindsamkeit ertrugen; doch allmählich fanden sie sich nicht nur damit ab, sondern entdeckten, daß es einen tiefen Einfluß auf sie ausübte. Als Apollinaire begriffen hatte, welch tiefgreifenden Wandel Picasso und sein Werk durchlaufen hatten, formulierte er den Unterschied zwischen zweierlei Arten von Künstlern: denen nämlich, die ihren Impulsen folgen und keine Zeichen eines Kampfes aufweisen, die ,,einer Fortsetzung der Natur gleichen" und deren Werke ,,in keiner Weise durch den Intellekt gehen"; und solchen, die auf sich allein gestellt, ,,alles aus sich herausziehen müssen". „Picasso", so schrieb er in seinem Buch über die kubistische Malerei, „war anfangs ein Künstler der ersten Art. Und es hat niemals ein spektakuläreres Ereignis gegeben als die Metamorphose, die er durchmachte, als er ein Künstler der zweiten Art wurde." (G. Apollinaire, Les peintres aibistes, Paris 1913, p. 36f.) Dieser Wagemut, das Unbekannte zu erforschen, der Picasso nie verlassen hat, führte in den folgenden Jahren zur Entwicklung eines neuen Stils, des Kubismus (Tafeln 16-25). In enger Zusammenarbeit mit seinem Freund Georges Braque wurde Picasso zum Urheber einer der größten Revolutionen in der Kunst der Gegenwart, welche die Beziehung der Malerei zur Realität revidierte und unseren Gesichtskreis und unser Weltverständnis erweiterte. Obgleich Picasso in der Folgezeit keineswegs immer kubistisch arbeitete, haben die zwischen 1909 und dem Ausbruch des ersten Weltkrieges (der seine enge Verbindung mit Braque beendete) erfolgten Entdeckungen zu zahllosen Weiterentwicklungen in seinem Oeuvre geführt und einen größeren Einfluß 3

Termékadatok

Cím: Picasso [antikvár]
Szerző: Roland Penrose
Kiadó: Pawlak Verlag GmbH
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 230 mm x 310 mm
Roland Penrose művei
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