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In Paris stellte im Jahre 1874 eine kleine Gruppe von Künstlern ihre Werke zum ersten Male gemeinsam und auf eigene Kosten aus, nachdem in den vergangenen Jahren wohl das eine oder andere von ihren Gemälden in der staatlichen, offiziellen Ausstellung des Salon" zu sehen gewesen war, aber in der Masse von mehr als dreitausend Bildern und Plastiken kaum Beachtung gefunden hatte. Die jungen Künstler, Pierre Auguste Renoir, Claude Monet, Camille Pissarro, Alfred Sisley, Paul Cézanne, Armand Guillaumin und Berthe Marie Morisot, empfanden ihr Schaffen als revolutionär und gegensätzlich zu der von Gesellschaft und Staat geförderten Kunst, und es war ihre Absicht, mit der gesonderten Ausstellung ihre Eigenart der Pariser Kunstwelt deutlicher vor Augen zu führen. Um aber bei den Zeitungskritikern, den Kunsthändlern, den Akademieprofessoren und den bürgerlichen Kunstfreunden überhaupt Beachtung zu finden, zogen sie eine Anzahl von Malern zu ihrem Vorhaben hinzu, die sich in der Presse und beim Publikum der Zeit eines gewissen Ansehens erfreuten: Boudin, Cals, Collin, Lépine, Rouart, de Nittis, dazu auch Degas, Braquemont, Latouche. Heute sind, von den drei zuletzt genannten abgesehen, diese um ihres damaligen Rufes willen herangezogenen Maler die Unbekannten geworden, wogegen das Werk derer, die die Ausstellung von 1874 inaugurierten, doch wohl mit Recht als eine der glücklichsten Schöpfungen der bildenden Kunst der Neuzeit angesehen wird.In den Geschäftsräumen des seinerzeit berühmten Fotografen Nadar, dessen Betriebsamkeit so oft Daumier zum Karikieren gereizt hat, wurde die Ausstellung eingerichtet, über mangelnden Besuch und fehlende Beachtung brauchten die Künstler nicht zu klagen, doch war es nicht Anerkennung, die ihnen entgegengebracht wurde, sondern Hohn und Spott. In dieser Ausstellung hatte Claude Monet eines seiner Gemälde, eine Hafenansicht im Morgennebel, Impression" genannt. Dieses Wort griff der Kritiker der satirischen Zeitschrift Charivari" auf; mit dem neugeprägten Ausdruck Impressionisten" glaubte er, der Künstlergruppe den Fluch der Lächerlichkeit angehängt zu haben. Wie aber in früheren Zeiten schon bei Stilbegriffen wie Gotik", Manierismus", Barock" wurde das Schlagwort, mit dem Tendenzen verächtlich gemacht werden sollten, zu dem Ehrennamen für eine fruchtbare Epoche der Kunstentwicklung.Um in der Gegenwart verstehen zu können, was damals an diesem Schaffen gegenüber der offiziellen Kunst im Pariser Salon" neu war, ist der Blick in den Katalog einer solchen Ausstellung lehrreich. Da waren 1880 insgesamt 3957 Gemälde von ungefähr zweitausendfünfhundert Malern ausgestellt. Heute, nach rund fünfundsiebzig Jahren, sind dem Kunsthistoriker davon noch gegen dreißig bekannt, dem Kunstfreunde allenfalls zehn. Alle die anderen Maler sind vergessen, ihre Werke, kaum zu Unrecht, verschollen und verdorben. Und doch waren sie es, die damals goldene und silberne5