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Vorwort
Die besondere Stellung, welche die Pillnitzet Schloßanlage innerhalb der europäischen, aber auch in der sächsischen Architekturentwicidung einnimmt, blieb bis in das 20. Jahrhundert hinein unerkannt. Obwohl Cornelius Gurlitt schon 1888 mit seiner „Geschichte des Barockstils" den Weg zu ebnen begann für ein neues Verstehen des damals als „Verfallskunst" bewerteten Barock, wirkte für Pillnitz noch lange das vernichtende Urteil Gottfried Sempers nach, der darin allein ein geistloses Nachahmen chinesischer Bauformen gesehen hatte. In der Folgezeit jedoch erkannte man zunehmend die formbildenden Kräfte des deutschen Barock wie auch seine künstlerischen Werte. Nach den Untersuchungen Gottfried Ganßauges von 1928 waren es in neuerer Zeit vor allem Walter Hentschel, Fritz Löffler und zuletzt Heinrich Magirius, die auf jene architekturgeschichtliche Bedeutung der Pillnitzer Anlage hinwiesen; Sie gilt heute als eines der besten Beispiele für die seit dem 18. Jahrhundert in Europa einsetzende Chinamode, doch ebenso spricht aus der klaren tektonischen Flächengliederung des Wasserpalais bereits jener bürgerlich-rationelle Geist des aufkommenden Klassizismus, der die bewegt-dekorative Formensprache Pöppel-manns ablöste.
Das vorliegende Werk stellt einen Versuch dar, die Baugeschichte des Schlosses mit besonderem Blick auf jenen Stilwandel in Sachsen wie auch auf die Einflüsse europäischer und ostasiatischer Anregungen zu interpretieren. Eingedenk dessen, daß die bloße ästhetische Würdigung eines Bauwerkes nicht genügt, um es inhaltlich zu erfassen, wurde außerdem Wert auf die Zusammenhänge mit den jeweiligen gesellschaftlichen Situationen gelegt, vor deren Hintergrund eine solche Schöpfung erst als ein Stück Geschichte verständlich wird. Die gleiche Absicht verfolgt das Einbeziehen der Ent-
wicklung im Dorfe Pillnitz, wo harte Lebensrealitäten der Untertanen den Bereichen feudaler Machtausweitung und Prunkentfaltung gegenüberstanden.
Bei alldem stützt sich die Arbeit auf das Auswerten der vorhandenen Literatur wie auch unveröffentlichter Abhandlungen. Dabei waren die vielen verstreut publizierten Beiträge, aufgrund von mitunter gegensätzlichen Aussagen sorgfältig zu prüfen; dem Verfasser ist jedoch immer die Pflege und Weiterführung der als wertvoll erkannten Gedanken Ausgangspunkt gewesen. Vielfaches Verwenden von Bilddokumenten, unter denen sich manche noch unveröffentlichte Darstellung findet, soll das geschriebene Wort unterstützen. Das umfangreich angelegte Literaturverzeichnis will nicht allein benutzte Quellen nennen, sondern auch Hinweise für weitere Studien geben.
Mein besonderer Dank gilt Frau Dr. Agatha Kobuch und Herrn Prof. Georg Funk, Dresden, für wertvolle Hinweise bei der Durchsicht des Manuskriptes. Für freundliche Unterstützung beim Beschaffen des Bildmaterials danke ich der Deutschen Fotothek, dem Institut für Denkmalpflege, den Staatlichen Kunstsammlungen, dem Staatsarchiv und der Sächsischen Landesbibliothek, sämtlich in Dresden, der Graphischen Sammlung Albertina Wien, der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Berlin (West) sowie den Fotografen Rolf Dvoracek, Bautzen und Max Ittenbach, Berlin. Ebenso danke ich Herrn Josef Horschik (t), Dresden, für sein Entgegenkommen beim Auswerten einiger historischer Darstellungen aus seiner Sammlung. Das Anfertigen der Vergrößerungen nach den Aufnahmen des Verfassers übernahm Fräulein Marie-Luise Schmidt vom Bautzener Fotodienst. Ihr, dem Mitwirken meiner Frau und nicht zuletzt dem Verlag für seine fördernde Unterstützung meines Anliegens gebührt ebenfalls Dank.
Hans-Günther Hartmann