Bővebb ismertető
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Vorwort
Eine Enzyklopädie des Musiktheaters, die den Anspruch erheben kann, die erste ihrer Art zu sein, bedarf angesichts der Tatsache, daß das Publikum der Oper, der Operette, des Musicals und des Balletts Hunderttausende umfaßt, schwerlich einer umständlichen Rechtfertigung. Und in einer Zeit, in der allenthalben Informationen und noch einmal Informationen erwartet werden, ist auch das Musiktheater nicht mehr Gegenstand eines gedankenlosen Genusses, sondern einer durch Kenntnisse gestützten Reflexion, von der inzwischen wohl feststehen dürfte, daß sie das »ästhetische Wohlgefallen«, wie Kant es nannte, nicht stört, sondern erhöht und bereichert. Der Begriff des Musiktheaters, der in höchst verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird, kann in einer Enzyklopädie nichts anderes als ein Sammelname für Oper, Operette, Zarzuela, Musical, Melodram, Ballett, Pantomime u. a. sein. Der Versuch, auch der Operette, der Zarzuela und dem Musical, deren ästhetischer Rang manchem fraglich erscheint, deren soziale Bedeutung jedoch niemand leugnet, durch eine ausführliche Darstellung gerecht zu werden, sollte nicht befremden: Eine Enzyklopädie erfüllt weniger die Funktion, Urteile zu fällen (und das Schweigen über einen Bereich schließt unbestreitbar ein Urteil ein), als Tatsachen zu registrieren. Eine Aufnahme von Schauspielmusiken verbot sich nicht nur wegen der problematischen Musiküberlieferung, sondern auch wegen des prinzipiell geringeren Stellenwerts der Musik im dramatischen Kontext. Die Gliederung in einen fünfbändigen Werkteil, einen Register- und Nachtragsband sowie einen zweibändigen Sachteil und die Gruppierung der Werke nach der alphabetischen Ordnung der Autorennamen entsprechen der Disposition einer Enzyklopädie, die zu raschem Gebrauch taugen soll. Daß dabei als Autoren von Balletten die ersten oder die eine Tradition begründenden Choreographen und nicht die Komponisten gelten, entspricht der einhelligen Meinung der Ballettproduzenten und ihres Publikums. (Selbstverständlich wird bei originären Ballettkompositionen von den Namen der Komponisten auf die der Choreographen verwiesen.)
Das Repertoire hat in den letzten Jahrzehnten quantitativ und qualitativ erhebliche Umschichtungen erfahren, die es bei der Werkauswahl zu berücksichtigen galt. Aus der Perspektive des einzelnen Theaters wird man eine Schrumpfung konstatieren müssen; sie bleibt jedoch weitgehend folgenlos für den modernen Musiktheater-Interessenten, der sich nicht mehr am Spielplan seiner heimischen Bühne zu orientieren braucht, sondern ein großes überregionales Programmangebot - zumindest über die Medien - nutzen kann und zunehmend auch nutzt. Bedenkt man darüber hinaus den verbreiteten Trend zur Spezialisierung auf Historisches und Entlegenes, so ergibt sich insgesamt eine enorme Ausweitung des Repertoires, das weltweit nie größer gewesen sein dürfte als heute. Selbst ein derart umfassender Repertoirebegriff, der sich zudem nicht nur an der Bühnenpräsenz von Werken, sondern auch an ihrer Verfügbarkeit auf Schallplatten orientiert, reicht jedoch als ausschließlicher Maßstab für die Auswahl nicht aus. Eine Enzyklopädie des Musiktheaters, die wissenschaftlichen Ansprüchen ebenso genügen soll wie dem Informationsbedürfnis des Kenners und Liebhabers, darf auch jene Werke nicht übergehen, die heute zwar vergessen, deren geschichtliche Bedeutung und/oder ästhetischer Rang (der mit den Erfolgschancen im Theater nicht immer zusammenfällt) aber unbezweifelbar sind. Verzichtet wurde auf die Vorstellung solcher Werke, deren Musik nicht überliefert ist - mit Ausnahme von Balletten auf wechselnde Musikarrangements, für die eine allgemein verbindliche Partitur nie existierte. Fragmentarisch erhaltene Werke sind nur in begründeten Ausnahmefällen aufgenommen: Als allgemeinstes Auswahlkriterium gilt eine jedenfalls theoretisch mögliche Aufführbar-keit. Nicht im Werkteil berücksichtigt - selbstverständlich aber im Sachteil - sind alle genuin außereuropäischen Gattungen des Musiktheaters, also etwa No, Kabuki, chinesisches Musik-und indisches Tanztheater, afrikanische Folk Opera und ähnliches. Maßgeblich für diese Entscheidung war nicht eurozentrischer Hochmut der Herausgeber, sondern die Einsicht in die