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Wie sich der Lebende den Toten vorstellt, so ist er selbst, so ist sein Wesen.
Hegel
Die italienische Sprache ist reich an Ausdrücken, die sich auf die Bildungen der Erdtiefe beziehen. Gorga und gorgo sind Schlund und Strudel; balzo ist der Abhang und der Sprung, der ihn ermißt; bolgia die Erdsenke, aus der Dante seine Höllenkreise formte. Vielleicht ist unsere Sprache nicht ärmer an Wortschöpfungen dieser Art, aber wie kleinmalerisch fromm ist unsere Grotte neben der itaHenischen grotta, in der es von Satyrn und Weinströmen rauscht. An den pozzo, den Ziehbrunnen der hochgelegenen etrurischen Stadt, knüpft sich nicht nur das Gemeindeleben, sondern auch die religiöse Einbildungskraft, die ihn zur Totenpforte, zum Hadeseingang macht. Mag die Theologie der Alten eine förmliche Ortskunde der Hadeseingänge entworfen haben, so hält sich der Volksglaube an den engen überblickbaren Raum: Jeder dunkle Quellgang, jeder Riß im Gestein kann die Türe bedeuten, die zu den Abgeschiedenen führt.
Die heutige Toskana darf als das Kernland der etruskischen Kultur angesehen werden, obgleich wir wissen, daß sich ihr Siedlungsgebiet keineswegs auf den Binnenraum zwischen Arno und Tiber beschränkte. Etruskische Lebensspuren haben sich südwärts in Praeneste und Capua, nordwestlich im adriatischen Spina nachweisen lassen; Mantua, die Geburtsstadt Vergils, ist nach der Überheferung von Thebanern und Etruskern gegründet worden, und selbst der glanzvolle tyrrhenische Städtegürtel zwischen Rom und Pisa begrenzt das etruskische Element wohl mehr für die Augen als für den geschichtlichen Sinn. Das Augenglück, das die toskanische Landschaft gewährt, ruht auf der Melodik ihrer Hnearen Struktur, auf dem Wechsel von wegsamen Tiefen und rauhen Anhöhen, und vor allem auf dem Wunder des Lichts, das die Erde in die bedachtsame Hut ihrer Zypressen und röthchen Ackerflüsse nimmt. Es ist diese dunkle
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