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EINLEITUNG
Die Arbeitsweise der hier gesammelten Aufsätze steht, wissenschaftlich gesehen, der Tradition der amerikanischen Kulturanthropologie nahe. Sie hebt sich deutlich von den in Europa vorherrschenden Methoden des vergangenen Jahrhunderts ab, vom Neuhumanismus ebenso wie vom naturwissenschaftlich geprägten Vorgehen des Positivismus,
Der deutsche Neuhumanismus identifizierte Kultur mit den sogenannten Hochkulturen, Die Beschäftigung mit den als zeitlos geltenden Schöpfungen des menschlichen Geistes - zugrunde lag der Glaube an die Affinität der eigenen Kultur mit anderen Hochkulturen - war wesentlicher Bestandteil eines Bildungsideals, das sowohl einen geistigen Lebensstil als auch eine geschichtliche Gelehrsamkeit und gegebenenfalls ein kritisches Quellenstudium umfaßte. Etwa zur gleichen Zeit beschäftigten sich humanistisch Gebildete unter Anwendung von Methoden, die von den Naturwissenschaften übernommen waren, mit den außerhalb der modernen bürgerlichen und industriellen Gesellschaften lebenden sogenannten primitiven Kulturen der „Naturvölker". Diese positivistische Methode wurde bald verallgemeinert und auch auf wichtige Aspekte der eigenen Gesellsdiaft angewandt. Der Mensch wurde dadurch zum Material der Forschung, zum Vovs6mn%s-Ob]ekt: seine Fähigkeit, Subjekt zu sein, Bezug zu einer Transzendenz zu haben und sein Leben in Freiheit und Verantwortung zu gestalten, wurde entsprechend eingeschränkt.
Was nun in jüngster Zeit die Einstellung zu dem, was man Kultur nennt, grundlegend verändert hat, sind zwei Dinge: einerseits die großen Kriege unseres Jahrhunderts als Bedrohung der gesamten Menschheit in den verschiedensten Gesellschaften und Kulturen und andererseits die Ereignisse, die vor allem in den früheren Kolonialländern dazu geführt haben, daß jene, die einst als Naturvölker, als Objekte der Forschung und der Politik be-