Bővebb ismertető
EinleitungVon Michael SommerRom, 18. September 96 n. Chr., gegen Mittag. Der Freigelassene Stephanus sticht in den Schlafgemächern des Palatin mit einem Dolch auf den Kaiser ein. Domitian, seit fünfzehn Jahren auf dem römischen Thron, wehrt sich nach Kräften, fasst den Dolch bei der Klinge und versucht, ihn mit blutenden Händen dem Angreifer zu entreißen. Opfer und Täter ringen auf dem Fußboden miteinander, ein Page läuft zum Bett des Kaisers, sucht die unter dem Kopfkissen verborgene Waffe und findet - nichts. Aus ihren Verstecken dringen weitere Männer und töten den Kaiser mit wenigstens acht Messerstichen. Domitian, den uns die Quellen unisono als paranoiden Autokraten schildern, verblutet auf dem Marmorfußboden des von ihm errichteten Palasts. Ein politischer Mord?Die scheinbar banale Frage birgt ungeahnte Brisanz. Der Angreifer Stephanus war erkennbar kein Einzeltäter. Nichts hatte man dem Zufall überlassen. Vorsorglich hatte ein Mittäter den für alle Fälle unter dem kaiserlichen Kopfkissen bereitgelegten Dolch entfernt. Und als Stephanus im Ringkampf mit dem physisch überlegenen Kaiser den Kürzeren zu ziehen drohte, eilten ihm sogleich in Nischen und hinter Vorhängen postierte Komplizen zu Hilfe - und entsorgten" den Attentäter, so jedenfalls eine Quelle, als Hauptbelastungszeugen gleich mit. Über Hintermänner des Anschlags und ihre Motive indes schweigen sich die literarischen Berichte, die wir Sueton und Cassius Dio verdanken, aus.Zwischen den Zeilen aber treten, nimmt man Sekundärquellen zu Hilfe, die Konturen einer Verschwörergruppe hervor, in der höchste Kreise das Sagen hatten und in die Domitians Nachfolger Nerva (96-98 n.Chr.) maßgeblich verstrickt war. Sie alle verdankten ihre Karrieren eben jenem Domitian, den sie ins Jenseits beförderten. Getrieben von Furcht vor dem stets misstrauischen, zu eruptiver Grausamkeit neigenden Kaiser und von der Sorge, von dem Autokraten Domitian um jeglichen politischen Ein-fluss gebracht zu werden, suchten sie den Schulterschluss mit Palastdienern, von denen gleichfalls viele um ihr Leben bangen mussten. Persönliche Beweggründe gingen mit ideologischen und pohtisch-pragmati-schen Erwägungen eine krude Mischung ein. Seinen Motiven nach ist der Mord an Domitian mindestens ebenso sehr ein Akt präventiver Selbstverteidigung wie ein politischer Mord.