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Einführung
Alfred Bayer
Der Vorsitzende der Hmms-Seidel-Stiftung, Alfred Bayer, erößiet das Expertengespräch.
Ca. 4 Millionen Menschen, einschließlich der versteckten Arbeitslosen sogar 6 Millionen Menschen sind in Deutschland ohne Arbeit. Diese 6 Millionen Menschen stehen mit ihren mitbetroffenen Familien für das ganze Ausmaß der Schwierigkeiten, mit denen unser Arbeitsmarkt kämpfen muß.
Die Arbeit hat in einer sozialen Marktwirtschaft, die aus dem christlichen Geist heraus gestaltet worden ist, zwei gegensätzliche Gesichter:
Kant hat festgestellt, daß wir, je mehr wir beschäftigt sind, desto mehr fühlen, daß wir leben. Dieser Ansatz ist ganz aus dem Konkurrenzdenken herausgenommen, und versteht die Arbeit als eine zentrale Lebensfunktion. Unser Bundespräsident Herzog formuliert etwas anders, aber in der gleichen Richtung: „Arbeit ist mehr als eine Geldquelle. Sie ist zugleich eine Quelle für Selbstwertgefühl, für Sozialprestige und für innere Zufriedenheit": alles Begriffe, die nicht wirtschaftlich sind. So verstanden, ist Arbeit auch im christlichen Sinne ein zentraler Lebensbegriff.
Auf der anderen Seite der Arbeitsmarkt, eine streng rationelle Einrichtung; er hat mit den soeben zitierten Begriffen nichts zu tun. Der Markt geht nach Angebot und Nachfrage. Diese Funktion ist absolut eindeutig beschreibbar: Hier ist die Arbeit einer der drei Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden. Die Arbeit kostet etwas, sie leistet etwas, und allein das zählt auf dem Arbeitsmarkt. Wichtig ist ihre Produktivität: Was kommt aus der Arbeitsstunde heraus, was kann also der Unternehmer dafür bezahlen, welche Qualifikationen hängen an der Arbeit etc. Arbeit hat einen Preis, sie muß sich auf dem Markt der Konkurrenz stellen.
Politische Studien, Sonderheft 2/96, 47. Jahrgang, Juni 1996