Bővebb ismertető
EinführungManfred BaumgärtelManfred Baumgärtel, Hauptgeschäftsßhrer der Hanns-Seidel-Stiftung.Tugend tut not" überschrieb DIE ZEIT unlängst einen Beitrag des Philosophen Hermann Lübbe, in dem dieser darauf hinwies, daß die größer gewordenen Freiheitsspielräume der modernen Gesellschaft im Grunde genommen auch ein höheres Maß an Tugend des einzelnen erfordern. Wertedebatten - so Lübbe seinerzeit - gewännen modernitätsabhängig zwangsläufig an Intensität".Im vorliegenden Heft der POLITISCHEN STUDIEN analysiert Hermann Lübbe einmal mehr die moralischeVerfaßtheit unserer Gesellschaft, in der es - auf dem Hintergrund von mancherlei Krisenerfahrungen" - ein immer noch wachsendes öffentliches Interesse an Fragen der Ethik gibt. Dabei beschäftigt kaum ein Thema die Pädagogen, Soziologen, Psychologen und Ethiker derzeit so sehr wie das Thema des Wertewandels. Dieser Wertewandel wird von den einen als notwendiger und zeitgemäßer Anpassungsprozeß", von den anderen als höchst zweifelhafter und besorgniserregender Verfallsprozeß" gedeutet. Beide Deutungsmodelle des Wandels der Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft sind sicherlich gedankliche Extremführungen, die den komplizierten Fragen, die sich hier stellen, kaum gerecht werden.Zweifellos erleben wir aber gegenwärtig eine gewisse geistige Ratlosigkeit und eine sittliche Orientierungsnot, die damit zu tun haben, daß viele der überlieferten Wertmuster und Wertstrukturen in Frage gestellt werden oder nicht mehr recht zu tragen scheinen. Die komplexen und immer schneller ablaufenden Veränderungen in nahezu allen Gesellschaftsbereichen werden dabei jedoch nicht nur als Fortschritte, als Wohlstands- und Freiheits-HilV i;-VI 1ibj1 1T 1:"ui1Politische Studien, Heft 335, 45. Jahrgang, Mai/Juni 1994