Bővebb ismertető
Politische Theorien haben in jüngster Zeit an Interesse gewonnen. Die Geschichte
der politischen Theorien enthält einen Vorrat an Denkkonzepten, mit deren Hilfe
aktuelle Problemstellungen in eine klärende Distanz gebracht und im Hinblick auf
Lösungsmöglichkeiten neu beleuchtet werden können.
Jede Zeit deutet die Geschichte auf ihre Weise. Auch die Geschichte der poli-
tischen Theorien ist ein nicht abzuschließender Deutungsprozeß, der überkommene
Gedanken aufgreift, interpretiert und fortentwickelt. Aktuelle politische Diskussio-
nen sind immer auch zugleich Teil einer Rezeptionsgeschichte, zu deren Verständnis
politische Ideengeschichte beitragen kann. Sie muß dabei freilich den engen Zusam-
menhang von politischen Ideen und den sozialen, politischen und kulturellen Zeitver-
hältnissen im Auge behalten. Ein angemessenes Verständnis politischer Ideen ergibt
sich nicht aus einer von ihren Entstehungs- und Verwendungszusammenhängen
losgelösten Versenkung in reine Gedankenwelten.
Was unter Freiheit, Demokratie oder auch Herrschaft je verstanden wurde,
erschließt sich in seiner jeweiligen Verschiedenheit erst dem historisierenden Blick.
Was wir heute unter diesen Begriffen verstehen, ist darüber hinaus Gegenstand
aktueller, auch vorausschauender Diskussionen. Politische Ideengeschichte leistet
einen Beitrag zum Verständnis der zentralen Begrifflichkeiten der politischen Diskus-
sion und gibt Hinweise auf wiederkehrende Problemlagen politischen Handelns und
Denkens, kann aber nicht als unbefragbare Autorität zeitlos gültige Gedanken
liefern.
Philosophen wie John Rawls und Hans Jonas haben die Bedeutung der Philoso-
phie für die moralische Beurteilung von Sachverhalten - auch für die moderne
Industriegesellschaft - deutlich gemacht. Mit dem Zusammenbruch der Gesellschafts-
systeme des »real existierenden Sozialismus« scheint auch die politische Theorie des
Marxismus diskreditiert zu sein. Die Dogmen der Wertfreiheit und Neutralität
jedweder Philosophie scheinen zu erodieren. Ob es zu einer grundsätzlichen Wende
im Denken kommen wird, bleibt abzuwarten.
Das vorgelegte Werk zur Geschichte der politischen Theorien ist eigens für die
Zwecke der politischen Bildung konzipiert worden. Einführung, Überblicksdarstel-
lung und das Hinführen zur aktuellen Problemstellung politischer Theorie und
Diskussion bilden daher die hauptsächliche Zielsetzung der vorliegenden Beiträge.
Unser besonderer Dank gilt dem Herausgeber, Hans-Joachim Lieber, sowie allen
beteiligten Autoren. Die Bundeszentrale hofft, daß die im vorliegenden Band ver-
sammelten Beiträge Impulse für die politische Bildungsarbeit geben können.
Alexander Schwan hat die Drucklegung seines letzten großen Beitrages nicht
mehr erleben können. Ihm, dem die politische Ideengeschichte zahlreiche wichtige
Anregungen verdankt, ist dieses Werk gewidmet.
Das Direktorium der Bundeszentrale für politische Bildung
Franklin Schultheiß Horst Dahlhaus Wolfgang Maurus