Bővebb ismertető
ABHANDLUNGENAltstándischer Konservatismus und prcufiischc Reformen: Ludwig von der MarwitzBemhard Gölz1. Der Landjunker und die konservative RevolutionSein Name ist Programm. Friedrich August Ludwig von der Marwitz gilt als Symbolfi-gur des altstandischen Adels. Der Prototyp eines preuBischen Landjunkers" (Gem-bruch 1971: 181): Eine Stilisierung, die auf Marwitz' Opposition gegen die Reformen Steins und Hardenbergs verweist. Der Widerstand gegen die Prinzipien der Revolution" induzierte die Herausbildung seines konservativen Denkens, mit dem er auf eine zweifache Krise seines Standes reagierte. Den Junkern drohte auf dem Höhepunkt der antifeudalen MalSnahmen Hardenbergs (Gendarmerieedikt 1812, Regulierungsedikt 1811) eine soziale und politische Nivellierung, die die ökonomische Herausforderung des Bürgertums noch zu verschárfen schien.Marwitz beschránkte sich nicht nur auf die Verteidigung von Standesinteressen, er legte ein neues Gesellschaftskonzept vor. Daher erweisen sich die Kategorien status-quo/bzw. reaktionárer Konservatismus als unzureichend. Marwitz' politische Thesen münden in einem Vexierbild aus Legitimation bestehender Institutionen, rationalen Entwürfen und Forderungen nach sozialem Wandel, der sich am status-quo-ante orientiert. Damit eskaliert das Dilemma von Wachsen und Machen" bei ihm zu nicht einlösbaren Dichotomien (etwa zwischen stándischer Mitregierung und absolutem Staat).Die Inkohárenz in Marwitz' politischem Denken raulS als Folge seiner zum Dogma er-hobenen Theoriefeindlichkeit gewertet werden. Der Landjunker wird mitunter zum Opfer seines Abwehrkampfes gegen Rationalitát und Aufklarung. Erst in einer Krisen-situation griff Marwitz auf das Mittel der Theoriebildung zurück und das Ironie der Geschichte aus Furcht vor der Effizienz gesamtstaatlicher Reformen. Dabei redu-zierte er sein Erkenntnisinteresse auf die Erarbeitung eines neuen Eliteverstándnisses. Die Theoriebildung wird solange als dosiertes Kampfmittel eingesetzt, bis es wieder möglich ist, die politischen Konflikte auf der Ebene von Sachfragen auszutragen. Hin-Politische Vierteljahresschrift, 25. Jg. (1984), Heft 4, S. 359-377 Westdeutscher Verlag