Bővebb ismertető
EINFÜHRUNG
Die Römer nannten die Tür „porta". Pforte und Portal sind die davon abgeleiteten Begriffe unserer Sprache. Sie bilden auch die Eingrenzungen unserer Vorstellung von derTür, der kleinen, schmalen Öffnung der Pforte und der weiten, hohen, oft tief In ein Bauwerk hineinführenden des Portals. Nicht die in Metern zu messende Höhe und Breite, auch nicht allein die künstlerisch-handwerkliche Bearbeitung prägen dabei eine Tür zum Portal, vielmehr ist es die Komposition architektonischer und bildkünstlerischer Schmuckformen zu einem Rahmenwerk und zu Türflügeln, die wir als monumental empfinden. Sie geben dem Portal seinen repräsentativen Charakter, ja dieses Repräsentative kann den eigentlichen Zweck, Zu- und Abgang zu sein, so überdecken, daß das Portal größer und aufwendiger wird als das Bauwerk selbst - denken wir an die mittelalterlichen Stadttore, Portale im Bauwerk der Befestigungsanlagen. Der Triumphbogen des Barocks und des Klassizismus ist ein zum Monument gewordenes Portal zur imaginären Ruhmeslandschaft, zum Betrachten errichtet, kaum zum Durchschreiten. Letzte Konsequenz und zugleich Grundgedanke des Portals fließen hier zusammen: Wir können ein Portal von dem Bau trennen, für den es errichtet worden war. Es bewahrt seine künstlerische Eigenständigkeit, setzten wir es etwa von einem Barockpalais als Eingang vor einen sachlich gestalteten Neubau. Es vermag diesem sogar einen künstlerischen Akzent zu verleihen.
Führt das Portal also ein ,,Eigenleben" am Bauwerk? Ist es beliebig austauschbar, ein eigenständiges Kunstwerk, vergleichbar einem Standbild in einem Park? Ja und nein. Seine Anlage und Gestalt werden nur aus der Gesamtkonzeption eines Baues verstehbar. Die Westportale einer gotischen Kathedrale sind Bestandteil einer Schaufassade, In der alle Architekturelemente aufeinander bezogen und aus einem architektonischen Zusammenhang entwickelt sind. Obgleich so eingebunden, stellt doch das einzelne Portal ein In sich abgerundetes Kunstwerk dar, bestehend aus einer Vielzahl von Formen, aus Kapitellen, Säulen, Archivolten, Bildwerken. Und eben In dieser Dualität haben wir wohl eine Ursache für das Bild zu suchen, das sich uns mit dem Begriff Portal verbindet. Ein Portal Ist also nicht nur zum Durchschreiten da, es ist ein Erlebnisbereich, der Auskunft über den Zweck des Baues gibt, In dem es steht. Romanische Bauformen kennzeichnen die ältesten bei uns erhaltenen Portale; das wohl großartigste aus jener frühen Zeit Ist die „Goldene Pforte" am Freiberger Dom (Tafel 1). Interessant dabei, daß auf dieses Kunstwerk der Begriff,.Portal" zum ersten
Male In der deutschen Kunstgeschichte angewandt worden ist, und zwar anläßlich seiner Beschreibung durch den Kunsthistoriker Waagen Im Jahre 1839. Mit Recht erblickte der Forscher hier einen klassischen Punkt künstlerischer Stilentwicklung. Schon seit dem 12. Jh. sind in der Baukunst die gestuften Gewändeportale üblich, hervorragende Beispiele bieten die französischen Kathedralen in Chartres oder Paris. Dort erfuhr auch das Figurenportal seine Ausprägung und strahlte auf den noch weniger entwickelten deutschen Raum aus. Am romanischen Magdeburger Dom, dem bedeutendsten Bauunternehmen im frühmittelalterlichen Erzbistum, wollte man ein solches repräsentatives Figurenportal errichten. Wenn auch das Vorhaben nicht ausgeführt wurde, so bezeugt doch allein die Absicht, welcher Wert im Mittelalter schon der Gestaltung eines Portals zugemessen wurde. 1230 entstand die ,,Goldene Pforte" als erstes Figurenportal in unserem Lande, an Reichtum und Pracht mit den französischen Vorbildern wetteifernd. Was aber bedeuten die Figuren an den Gewänden, weshalb diese trichterförmige Türrahmung voller Lebewesen und Ornamente, die sich durch die gesamte mittelalterliche Kunst fortentwickelte und selbst in viel späteren Kunststilen immer wieder aufgegriffen worden ist?
Im 13. Jahrhundert war gemeinhin die Kirche das einzige repräsentative und oft auch einzige massive steinerne Gebäude einer Stadt oder eines Siedlungsgebietes. Wie die Kirche selbst Ist auch ihr Portal ein Symbol christlicher Religion, und die künstlerische Gestaltung folgt einem genau vorgezeichneten Programm, in dem sich bestimmte religiöse Themen zu bildhaften Formen verdichten. So ist die Freiberger ,.Goldene Pforte" - das erbrachten neuere Forschungen - der Mariengeschichte gewidmet. Man muß demzufolge den Namen des Portals sowohl auf die reiche farbliche Gestaltung - die ebenfalls durch wissenschaftliche Untersuchungen nachgewiesen werden konnte-als auch auf den bildlichen Inhalt zurückführen, der der mittelalterlichen Theologie entstammt. In Freiberg förderte man seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert das Silbererz, es brachte dem Auftraggeber für den Kirchenbau erhebliche Reichtümer. Die Errichtung eines Prachtportals ist also nicht verwunderlich, zumal ihm hier noch ein besonderer Rang zugedacht war: Es diente als Eingang für die geistlichen und weltlichen Herren in die der Gottesmutter geweihte Kirche. Auf diese Funktion und religiöse Symbolik nimmt der künstlerische Reichtum sichtbar Bezug.
Um 1230 entstand die spätromanische Türrahmung am Kapitelsaal des ehemaligen Klosters Altzella (Tafel 3). Nach dessen Verfall Im 16. Jahrhundert wurde das Portal in die nahe gelegene Nossener Stadtkirche eingebaut. Solche Transplantationen von Kunstwerken verzeichnet die Kunstgeschichte bisweilen; hier war es der Baumeister Andreas Lorentz, der diese Tür zusammen mit einer zweiten aus Altzella dem Kirchenneubau einfügte. Die streng architektonische Gliederung mit dem Schrägzug der Kapitelle, die kräftigen Säulen und Archivoltenbögen und das Flechtwerk mit der Fl echtband rosette im Tympanon - ein mittelalterliches Ewigkeitssymbol - verleihen dem Portal eine noch ganz gelagerte Form. Erst in der frühgotischen Baukunst wird auch die Türöffnung schlank, gestreckt und aufstrebend.
VI