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DAS KÖNIGLICHE PRAG
ICarel Plickas klassisches Werk: „Prag" hat es uns zum erstenmal ermögUcht, die gewaltige architektonische Synthese Prags in wirklich schönen Reproduktionen zu verfolgen. Jenes Buch, das zuerst im Jahre 1940 erschien, wurde zum Vorbild für viele andere Publikationen. Auch in diesem, seinem neuesten Werk hat er nicht aufgehört, sich mit diesem Thema zu befassen und seine Begeisterung, reiche Erfahrung und seinen feinen Geschmack in den Dienst dieser unerschöpfhchen Quelle von Motiven zu stellen. Sein Streben ging dahin, das vielfältige Antlitz der Stadt in seinen künstlerischen, historischen und gesellschaftlichen Formen zu erfassen, die nach tausendjähriger Ent^vicklung zu dem Begriff „Alt-Prag" verschmolzen.
Die ornamentale Inschrift „Praga Caput regni" im Fries des Renaissancefensters am Altstädter Rathaus brachte die historische Tatsache der damaligen kurzen Vereinigung der Prager Altstadt mit der Neustadt zum Ausdruck. Die humanistische Epoche verlieh der Stadt den glanzvollen Namen „Das goldene Prag". Zu einer Zeit, als die Vorstellung eines böhmischen Königs auf der Prager Burg nur noch eine Reminiszenz romantischer Gemüter war, gewann dennoch der Begriff des „Königlichen Prag" in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine weitere Bedeutung, als die Hauptstadt des Landes und des Volkes mit diesem stolzen Titel wie mit einem Diadem gekrönt wurde. Der zeitlich jüngste Titel, „Alt-Prag", entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts, im edelsten Eifer gewählt, um das edle Erbe in der Substanz und im bestehenden Grundriß der altertümlichen Stadt zu erhalten, die sowohl in ihren ältesten, aus dem Mittelalter stammenden Teilen als auch in der komponierten Form des Barocks einzig dasteht.
Karel Plicka hat seine Vorstellung vom Antlitz Prags auf keine dieser symbolischen Bezeichnungen gestützt, sondern eher auf konkrete Grundlagen. Er hat sich vorgenommen, mit seinen vollendeten Aufnahmen jene Teile Prags zu erfassen, in denen das Leben in der Vergangenheit pulsierte und sich entfaltete und in denen das heutige Prag lebt. So entstand das Programm einiger weiterer Bände, die eine Vorstellung jener Orte vermitteln sollen, die von dem Leben und Treiben am königlichen Hof, vom prunkvollen Lebensstil und der Bauleidenschaft des Adels und der reichen Patrizier, sowie von religiöser Kontemplation bestimmt und umgrenzt wurden und des weitern heutige Stadtgebiete zeigen wollen, in denen die Prager Bevölkerung heute aufwächst und arbeitet, und wo sich für feiertägliche Erholung Anlagen in der Natur befinden.
Der erste Band dieser Serie, Das königliche Prag, befaßt sich hauptsächlich mit jenen Stätten und Objekten, die der früheren Exterritorialität der Herrscher in der Residenzstadt unterlagen, d. h. mit der bis auf den heutigen Tag im Panorama der Stadt dominierenden und örtlich