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Prärien und Tundren [antikvár]

 
Kapitel 1 EINE ROBUSTE BOTANISCHE FAMILIE Auf diesen Wandmalereien in einer Grabstätte, die um 1400 v. Chr. entstanden, bearbeiten Ägypter weite Flächen von Weizen, einer kultivierten Graspflanze. Oben vermessen Aufseher ein Getreidefeld mit einer Schnur, die in regelmäßigen Abständen Knoten enthält. Der untere Bildteil zeigt das Einbringen der Ernte. Schreiber, von denen einer auf einem Berg ausgedroschener Körner sitzt und mit den Fingern rechnet, verzeichnen die Menge auf Tontafeln. Als diese Bilder entstanden, war der Ackerbau...
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Kapitel 1 EINE ROBUSTE BOTANISCHE FAMILIE Auf diesen Wandmalereien in einer Grabstätte, die um 1400 v. Chr. entstanden, bearbeiten Ägypter weite Flächen von Weizen, einer kultivierten Graspflanze. Oben vermessen Aufseher ein Getreidefeld mit einer Schnur, die in regelmäßigen Abständen Knoten enthält. Der untere Bildteil zeigt das Einbringen der Ernte. Schreiber, von denen einer auf einem Berg ausgedroschener Körner sitzt und mit den Fingern rechnet, verzeichnen die Menge auf Tontafeln. Als diese Bilder entstanden, war der Ackerbau bereits über 5000 Jahre alt, und Getreide zählte zu den Hauptnahrungsmitteln der Menschen. Im Jahre 1820 führte Major Stephen H. Long von der Armee der Vereinigten Staaten eine Gruppe von Landvermessern nach Westen, um die geographische Beschaffenheit des Gebietes zwischen Mississippi und den Rocky Mountains zu erkunden. Er stieß auf ein riesiges, baumloses Grasland, so leer und, wie es schien, von so dürftiger Bodenqualität, daß er es als „unbewohnbar für Menschen, denen die Landwirtschaft als Lebensgrundlage dient", bezeichnete. Er gab der Region einen Namen, der ihr jahrzehntelang erhalten blieb, obwohl er unzutreffend war: Great American Desert - die Große Amerikanische Wüste. Major Long hatte sich gründlich getäuscht. Die grasbewachsenen Ebenen des amerikanischen Westens erwiesen sich, ebenso wie eine Reihe anderer, noch unwirtlicher erscheinender Grasregionen, als durchaus bewohnbar - und als ungemein fruchtbar. Auf dem einstigen Grasland Amerikas reifen heute alljährlich Ernten im Wert von knapp 150 Milliarden Dollar heran - genug, um die nahezu 250 Millionen Amerikaner zu ernähren und zudem noch große Getreidemengen in weniger begünstigte Länder zu exportieren. Gebiete, die einst Grasland waren, decken nicht weniger als drei Viertel des gesamten menschlichen Nahrungsbedarfs, nicht eingerechnet die Weideflächen, deren Erträge indirekt in Form von Fleisch, Milchprodukten, Geflügel und Eiern auf unseren Tisch kommen. Etwa 70 Prozent aller Kulturpflanzen gehören zur Familie der Gräser, darunter Weizen, Mais, Reis, Gerste, Rispenhirse, Mohrenhirse und Zuckerrohr. Andere Grasarten wie zum Beispiel Bambus oder Pfahlrohr werden zu so mannigfaltigen Produkten wie Möbeln, Reetdächern, Seilen und Parfümessenzen verarbeitet. Aber darüber hinaus haben die Grasregionen einen historischen Beitrag geleistet, der mindestens ebenso bedeutsam ist wie Nahrungsmittel und Rohstoffe. Tausende von Arten aus dem Pflanzen- und Tierreich mußten besondere Anlagen entwickeln, um sich ihrer baumlosen Umgebung anzupassen. Darunter befand sich auch eine Gruppe menschenähnlicher Primaten, die vor etwa zwei Millionen Jahren die Wälder Afrikas verließen. Zu den Eigenschaften, die sich als Vorteile für ihr Leben im Grasland herausstellten, gehörten ein zunehmend aufrechter Gang, der ihnen größere Bewegungsfreiheit gab, ein ausgezeichnetes Weitsehvermögen und Hände, bei denen der Daumen vier Fingern gegenüberstand - eine Anordnung, die es diesen Primaten erlaubte, auf der Jagd nach Wild Steine und andere Waffen zu schleudern. All diese Veränderungen sowie eine verbesserte Koordination von Auge und Hand ermöglichten die Leistungen, die man eines Tages als Kultur bezeichnen sollte. Die Menschen und die Grasländer, die sich über Millionen von Jahren hinweg gemeinsam entwickelt haben, hängen heute praktisch voneinander ab. Trotz ihrer großen Bedeutung sind die weiten Grasländer der Erde jedoch längst nicht so bekannt wie die übrigen Landschaftsformen. Für die Geologen bieten sie weniger Reiz als beispielsweise die Gebirge, vielleicht weil es ihnen an Dramatik fehlt und weil keine unmittelbare Herausforderung von ihnen ausgeht. Aber auch 19

Termékadatok

Cím: Prärien und Tundren [antikvár]
Kiadó: Time-Life Bücher
Kötés: Fűzött keménykötés
ISBN: 9061825008
Méret: 230 mm x 280 mm
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