Bővebb ismertető
Vorrede.
Jetzt, wo Deutschland in seinen Kolonieen mit Naturvölkern in unmittelbare Berührung getreten ist, wird man bei uns den hohen praktischen Wert einer Psychologie der Naturvölker, die ich insofern Kolonialpsychologie nennen möchte, zu schätzen wissen, und nicht zu befürchten brauchen, daß, wie noch vor dreißig Jahren, eine Psychologie der Wilden als eine wilde Psychologie verspottet werde.
Die meisten Schwierigkeiten und Unzuträglichkeiten, welche den Weißen im Verkehr mit unkultivierten Völkern begegneten, entsprangen aus der falschen Behandlung derselben, besonders aus der unbewußten Verletzung ihres ganz eigentümlichen und von dem unsrigen im hohen Grade abweichenden Grefühlswesens; man verstand den Naturmenschen weder in geistiger, noch in sittlicher, noch in religiöser Beziehung; man mißverstand sich gegenseitig, und diese Mißverständnisse führten oft genug zu blutigen Zusammenstößen.
Will man den farbigen Wildling beherrschen, will man ihn, wie es deutsche Art ist, sogar erziehen^, so muß man zuvor seine seelische Beschaffenheit genügend erkannt haben. Nur eine Psychologie der Naturvölker kann dieses Verständnis geben, und daher hege ich die Überzeugung, daß dieses vorliegende Werk in Deutschland heute einem Bedürfnis entgegenkommt und das Recht besitzt, als ein zeitgemäßes begrüßt zu werden.
Man kann ein allseitiges psychologisches Verständnis der Naturvölker nicht aus einzelnen Reisebeschreibungen gewinnen. Die Männer, von denen diese stammen, Missionare, Schiffskapitäne, Forschungsreisende u. s. w., sind keine Psychologen. Sie erzählen, was sie erleben, und je sachlicher es geschieht, um so dankenswerter ist es. Aber in den meisten Fällen mangelt ihnen das richtige Verständnis für die seelischen Beweggründe, aus denen die Handlungen des Naturmenschen entspringen,
1 Vgl. des Verfassers Werk „Deutsche Erziehung" (Leipzig 1893).