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Die Psychologie ist eine Wissenschaft besonderer Art. Ihre Wurzeln reichen weit in die Geschichte zurück, vielleicht bis zu den Upanischaden Indiens oder ägyptischen Texten des 3. Jahrtausends vor Christo. Man bringt Aristoteles mit der Psychologie in Zusammenhang, ebenso wie Augustinus, Descartes, Spinoza, Locke und Hume, Schopenhauer und Nietzsche. Dem Mann auf der Straße fällt, auf die Psychologie angesprochen, am ehesten Sigmund Freud ein und, wenn es hoch kommt, auch noch C. G. Jung, Väter also der Psychoanalyse, aus der sich inzwischen das weite Feld der Tiefenpsychologie entwickelt hat. Die Suche, wenn man so will, nach der Seele übt auf den Menschen ganz offenbar eine außerordentliche Faszination aus. Gefunden hat sie bisher noch niemand. Es gibt bis heute keine geschlossene Wissenschaft der Psychologie. Was angeboten wird, sind Forschungsprogramme verschiedener Schulen, Annahmen und Ansätze, brauchbare wissenschafdiche Ergebnisse und Spekulationen. Und doch hat keine Wissenschaft in den letzten 15 Jahren eine so tiefe Wirkung auf die breite Öffentlichkeit, auf die Kunst, ja auf die Gesellschaftsordnung als Ganzes ausgeübt wie die Psychologie. Keine andere Wissenschaft ist so wie sie im Munde aller, und keine wird von so gut wie allen so wenig verstanden.Begriffe der Psychoanalyse wie das >Es<, das >Ich< oder das >Über-Ich< sind in der Öffentlichkeit zur billigen Wortmünze geworden. Wir sprechen von Archetypen und Ödipuskomplexen; wir meinen, Träume deuten zu können, haben das schwer zu lesende Werk Freuds nie in den Händen gehalten, aber wissen doch, daß wohl im Grunde >alles< mit der Sexualität zusammenhängt. In der Tat scheint sich ein Teil der Popularität, welche die neue Wissenschaft der Psychoanalyse gewann, darauf zu gründen, daß sie an einem der am sorgfältigsten gehüteten Tabus der bürgerlichen Welt rüttelte: dem Sex-Tabu. Eben deshalb wurde sie auch gnadenloser bekämpft als jede andere. Freud paßte weder der Schulmedizin noch den Theologen oder den Philosophen in das Konzept. Das Bürgertum sah durch ihn wesentliche Normen des überkommenen Weltbildes und damit empfindliche Teile seiner Herrschaftsstruktur gefährdet, und so hatten Nationalisten bis hin zu den Nazis leichtes Spiel, die Psychologie mit Diffamierungen zu überschütten und sie schließlich als eine bloße Machenschaft von Juden zu >endarven<, die den Untergang des Abendlandes ohnehin anstrebten oder ihn zumindest unbewußt einleiteten. Deshalb emigrierte die Psychoanalyse in den dreißiger Jahren aus Europa, ließ dem Dritten Reich die >Psychotechniker< zurück, denen es weniger um Wissenschaft als um immer raffiniertere Methoden der Verführung ging, und stieß jenseits des Atlantiks auf die angelsächsische Spielart